Stefan Kämmerling MdL spricht zu den Kolleginnen und Kollegen von Prysmian

Stefan Kämmerling MdL spricht zu den Kolleginnen und Kollegen von Prysmian

Die von der Schließung des Kabelwerks betroffenen Frauen und Männer gehen auf die Straße. „Man hat uns belogen und betrogen.“

Peter Heidbüchels Stimme ist brüchig, seine Augen gerötet. „Warum schlachtet man ein Huhn, das goldene Eier legt“, fragt er bei der Kundgebung vor dem Rathaus. Der Betriebsratsvorsitzende des Prysmian-Kabelwerks Lynen fängt sich jedoch wieder schnell. Weil über 200 Menschen ihn mit donnerndem Applaus und lautem Pfeifenkonzert unterstützen. „Wir hauen ihnen die Werkzeuge um die Ohren“, gibt sich Heidbüchel kämpferisch.

Eine knappe Stunde zuvor sind die Mitarbeiter am Werk losgezogen. „Tatort Prysmian“: Ausgestattet mit Fahnen, Bannern, Schildern, Pfeifen und Sirenen sowie Kreuzen aus Holz gehen sie die Dürener Straße entlang, über die Indestraße zum Rathaus. Die Gruppe wird von der Polizei durch die Stadt geleitet. Eine kurze Zeit lang liegt der Verkehr lahm und stehen Bürger am Straßenrand, die ermutigende Worte sprechen. „Die Kreuze symbolisieren die Vernichtung von 160 Arbeitsplätzen. Es sind 160 Mitarbeiter von der geplanten Schließung zum Ende dieses Jahres betroffen, fast alle haben Familie, das sind dann über 500 Betroffene“, sagt Georg Moik.

Solidarität von allen Seiten

Der Gewerkschaftssekretär der IG Metall gibt die Marschrichtung vor, auch am Rednerpult. „Eine Schließung am Verhandlungstisch, ganz im Stillen – so wünscht es die Geschäftsführung – machen wir nicht mit. Wir werden kämpfen!“ Und er fügt verärgert hinzu: „Man hat uns belogen und betrogen, wir waren sprachlos und maßlos enttäuscht. Das ist purer, brutaler Kapitalismus.“

Die Schockstarre hat sich gelöst, der Kampfgeist aller ist geweckt, das zeigt die Demo am gestrigen Nachmittag eindrucksvoll. Es sind nicht nur die Prysmian-Mitarbeiter, die protestieren, sondern auch Mitarbeiter von KME in Stolberg und von Bombardier in Aachen, denen ebenso die Arbeitslosigkeit droht. Und es sind Bürger und Politiker vor Ort, die ihre Solidarität mit den Frauen und Männern bekunden. Einigkeit sei das Gebot der Stunde, betont Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling, und Sandra Hunscheidt-Fink appelliert an die Politik, etwas zu tun. „Mitarbeiter einsparen, um Aktienkurse zu steigern, das kann nicht sein. Es ist erbärmlich zu sehen, was in unserer Region passiert – bei Betrieben, die keine Not haben“, so die Personalratsvorsitzende der Stadt Eschweiler.

“Es ist ein Kampf für unsere Stadt”

Demonstrationszug der Beschäftigten von Prysmian zum Eschweiler Rathaus am 14.11.2012

Demonstrationszug der Beschäftigten von Prysmian zum Eschweiler Rathaus am 14.11.2012

Die Botschaft müsse lauten, dass Ende 2012 eben nicht Schluss sei, „wir wollen die Arbeitsplätze behalten“, betont Rudi Bertram. Das soziale Gefüge der Stadt komme durcheinander, „es ist ein Kampf für Prysmian, aber auch ein Kampf für unsere Stadt. Habt keine Angst, denn Angst lähmt“, so der Bürgermeister. Die ganze Region sei betroffen, verweist Bertram auf Verhandlungen sowie Schließungen und damit verbundene Kündigungen – auch in Alsdorf und im belgischen Genk. „Es kann nicht jeder Professor werden oder Ingenieur. Wir brauchen Leute, die Produktion machen, wir brauchen Arbeitsplätze für uns alle.“ Die Stadt habe es gemeinsam mit den Unternehmen geschafft, die Arbeitslosenquote von einst 17 Prozent auf acht bis neun Prozent zu senken. „Und eins will ich als Bürgermeister betonen: Diese Arbeit lassen wir uns nicht von den Konzernen kaputtmachen!“

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 15.11.2012, Bericht von Doris Kinkel-Schlachter)