Mindestens drei Minuten Wartezeit: Stadt und Euregio Verkehrsschienennetz GmbH streiten um kürzere Schließzeiten der Schranke.

Mindestens drei Minuten Wartezeit: Stadt und Euregio Verkehrsschienennetz GmbH streiten um kürzere Schließzeiten der Schranke.

Mindestens drei Minuten Wartezeit: Stadt und Euregio Verkehrsschienennetz GmbH streiten um kürzere Schließzeiten der Schranke.

Gestern, 13.36 Uhr. Die Ampel am Bahnübergang Langwahn schaltet auf Rot. Langsam senkt sich die Schranke. Und dann ist Warten angesagt. Weit und breit kein Zug zu sehen. Die Autoschlange wächst und wächst. An der Fußgängerschranke schildert ein Passant: „Das ist normal hier, ich habe schon einmal sechs Minuten gewartet.“ So lange ist es diesmal nicht. Aber es dauert geschlagene drei Minuten, ehe die Euregiobahn Richtung Stolberg den Langwahn passiert und die Schranke sich wieder hebt…

Was passiert jedoch, wenn auf der anderen Seite der Schranke ein Rettungswagen oder ein Löschfahrzeug der Feuerwehr warten muss? Diesen Zustand wollen die Stadtverwaltung und einige Ratsvertreter nicht länger hinnehmen. Schon seit Monaten schwelt der Streit. Vor wenigen Wochen sprachen Bürgermeister Rudi Bertram und der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling mit den Geschäftsführern der Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), Thomas Fürpeil und Christian Hartrampf. Doch die Fronten sind nach wie vor verhärtet.

„Wir fliegen zum Mond und planen jetzt den Flug zum Mars, da muss es doch technisch möglich sein, die Schrankenschließzeiten zu verringern“, fordert Rudi Bertram. Zudem sei man immer von anderen Schließzeiten ausgegangen. Bevor die Euregiobahn im Jahr 2006 ihren Betrieb aufgenommen und die alte Talbahnstrecke wieder ins Leben gerufen hatte, schlossen Stadt und EVS eine Vereinbarung, in der auch die Schließzeiten für den Bahnübergang Langwahn festgelegt wurden. In dem Kontrakt heißt es: „Die derzeitigen Berechnungen gehen davon aus, dass die maximalen Sperrzeiten für Züge mit der Fahrtrichtung Stolberg 103 Sekunden und mit der Fahrtrichtung von Stolberg in Richtung Frenz 108 Sekunden betragen.“ Diese Zeiten werden vor allem bei Zügen, die vom Talbahnhof Richtung Stolberg fahren, am Langwahn bei weitem nicht mehr erreicht.

Dies ist der EVS durchaus bekannt. „Die Vereinbarung mit der Stadt stammt aus einer Zeit, als die Züge noch nicht bis nach Langerwehe durchfuhren“, sagt Thomas Fürpeil. Auch nach dem Umbau am Langwahn werde sich an den Schließzeiten nichts ändern, betont er. Sie werden allerdings bei der Planung des Kreisverkehrs noch mal neu bewertet. Die Schrankenschließzeiten richten sich nach den Sicherheitsanforderungen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung und den zugehörigen anerkannten Regeln der Technik und werden von der Landeseisenbahnverwaltung NRW geprüft.

Dass sich die Schranke am Langwahn schon senkt, während der Zug am Talbahnhof noch hält, stößt bei vielen Menschen auf Unverständnis. „Ich habe schon gesehen, dass Menschen die Schranke ignoriert haben und einfach über die Gleise gegangen sind, weil sie so lange warten mussten“, berichtet der Eschweiler Transportunternehmer Horst Hensche. Auch an der Lindenallee habe er ähnlich lange Wartezeiten erlebt. Die Fahrzeugschlangen behindern schließlich auch andere Straßen. „Dann herrscht Chaos“, meint Hensche.

Die EVS schiebt den Schwarzen Peter der Stadt zu. „Ein Begegnungsgleis vor Nothberg war nicht gewollt“, sagt Fürpeil. Dieses befindet sich nun am Talbahnhof, so dass die Schranken in der Innenstadt kurz hintereinander schließen müssen. Eine nachträgliche Verlegung ist aus Kostengründen nicht möglich. Fürpeil geht davon aus, dass man in einem solchen Fall Fördergeld ans Land und an den Bund zurückzahlen müsse. Zu teuer dürfte auch eine andere Sicherheitstechnik werden, wobei der EVS-Geschäftsführer zweifelt, ob diese überhaupt zu kürzeren Schließzeiten führt.

Bürgermeister Bertram fordert weiter eine technische Möglichkeit für die Feuerwehr, in einem dringenden Fall die Euregiobahn stoppen zu können. Dies hat natürlich nicht grundsätzlich geringere Wartezeiten für die Menschen zur Folge. Die Sicherheit gehe immer vor, so der Verwaltungschef. „Man kann aber auch nicht verlangen, dass die Feuerwehrleute im Einsatz einen Umweg über die Rue de Wattrelos fahren müssen“, sagt Bertram.

Der Eschweiler Verwaltungschef ist Mitglied des EVS-Verwaltungsrates und unterstreicht bei aller Kritik: „Wir stehen zur Euregiobahn, aber an dieser Stelle muss eine andere Lösung her.“ Dass sich Hartnäckigkeit durchaus auszahlen kann, zeigt der bald in Betrieb genommene Haltepunkt St. Jöris. Auch für Aue wünscht sich die Stadt einen Stopp der Euregiobahn. Zudem steht die Elektrifizierung noch auf der Agenda. Es gibt also in Zukunft noch viel zu besprechen mit der EVS.

Wer den Bahnübergang Langwahn passieren will, der muss weiter Wartezeiten in Kauf nehmen.

Kreisverkehr frühestens im kommenden Jahr

Der Kreisverkehr am Bahnübergang Langwahn lässt weiter auf sich warten. Frühestens im nächsten Jahr werden die Bagger anrollen.

Aktuell wird die sogenannte PT1-Planung aufgestellt. Sie legt fest, wie hoch die Kosten für die Sicherung des Bahnüberganges sind. Anschließend werden die Städteregion, die Stadt Eschweiler und die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) eine Planungs- und Baudurchführungsvereinbarung unterzeichnen. Erst danach kann mit der Detailplanung begonnen werden.

Die Stadt Eschweiler muss nur einen geringen Teil der Kosten für den Kreisverkehr übernehmen. Sie kommt nur für die Gehwege des Knotenpunktes auf.

Trägerin der Straße ist die Städteregion Aachen, die auch einen Großteil der 30 000 Euro teuren PT1-Prüfung finanziert. Für die Signaltechnik und die Schrankenanlage ist die EVS verantwortlich.

Im aktuellen Haushalt der Städteregion ist der Kreisverkehr mit 40 000 Euro vermerkt. An diese Summe ist eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 380 000 Euro gekoppelt.

(Quelle: Eschweiler Zeitung vom 19.10.2013, Bericht von Patrick Nowicki)