Stefan Kämmerling MdL:  "Wir müssen eine Situation schaffen, bei der es keine Verlierer gibt." Bild: © Marco2811 Fotolia.com

Stefan Kämmerling MdL: “Wir müssen eine Situation schaffen, bei der es keine Verlierer gibt.” Bild: © Marco2811 Fotolia.com

SPD-Fraktion in der Städteregion drängt auf eine Lösung auf der B 258 in Roetgen und gibt einer Ampel den Vorzug. Behörden widersprechen sich.

Als verfahren könnte man treffenderweise die Situation auf der Bundesstraße 258 in Roetgen am Knotenpunkt Rosental-straße/Mühlenstraße bezeichnen. Weder für Autofahrer, noch für Fußgänger oder den ÖPNV ist die Verkehrssituation in diesem belebten Kreuzungsbereich zufriedenstellend geregelt. Dass hier Handlungsbedarf herrscht, will auch niemand bestreiten, aber bei der Entwicklung von Lösungswegen herrscht inzwischen Stillstand. Diesen höchst lähmenden Zustand möchte die SPD-Fraktion im Städteregionstag nicht länger tatenlos hinnehmen und hat daher, für die Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch, 25. Februar, den Antrag eingereicht, „die Errichtung einer Lichtsignalanlage nicht länger zu blockieren“.

Experten widersprechen sich

Die Sozialdemokraten nehmen dabei Bezug auf ein seit längerer Zeit bereits vorliegendes Gutachten der Aachener Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung (IVV). Die IVV-Experten haben in ihrer Machbarkeitsstudie einer Ampel den Vorzug gegenüber einer Kreisverkehrslösung gegeben, doch auf Behördenseite widersprechen sich die Experten. Während der Landesbetrieb Straßenbau als Straßenbaulastträger wie auch der Bauausschuss der Städteregion ebenfalls einer Ampellösung den Vorzug geben und diese als leistungsfähige Lösung betrachten, lehnt die Städteregionsverwaltung als Anordnungsbehörde eine Ampel ab und spricht sich für die Errichtung eines Kreisverkehrs, eines sogenannten „Turbo-Kreisels“, aus.

Die Städteregion hat ihrerseits ebenfalls ein Gutachten erstellen lassen und darin festgestellt, dass eine Ampel zu einer ganztägigen Reduzierung des Verkehrsflusses auf der B 258 führen würde.

Das IVV-Gutachten hält fest, dass für den Autofahrer am Turbo-Kreisel eine Wartezeit von 46 Sekunden, durch eine Ampel aber nur eine Wartezeit von 23 Sekunden entstehen würde.

Schon im Juli 2013 hatte die SPD erstmals einen Antrag gestellt und „Handlungsbedarf“ angemahnt.

„Durch die gegenseitige Blockade der beiden Behörden passiert im Ergebnis nichts“, will jetzt auch Jorma Klauss, der Bürgermeister-Kandidat der SPD Roetgen, in dieser für Roetgen so wichtigen Thematik den Druck erhöhen. Täglich verkehrten an diesem Knotenpunkt rund 17 000 Fahrzeuge. Gemeinsam mit den Parteifreunden aus Roetgen und der Städteregion, dem Fraktionsvorsitzenden Martin Peters sowie mit Unterstützung des SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling wurde die Lage jetzt noch einmal vor Ort erörtert.

Klauss stellte noch einmal die Vorteile einer Ampel heraus, deren Leistungsfähigkeit höher als ein Kreisverkehr sei und eine deutlich sicherere Querungsmöglichkeit für Fußgänger biete. Linksabbieger aus der Rosentalstraße hätten zudem „ein Riesenproblem“.

Selbstverständlich müsse bei der Planung einer Lichtzeichenanlage berücksichtigt werden, dass diese im Zusammenspiel mit der bereits bestehenden Ampel am Knotenpunkt B 258/Hauptstraße funktioniere. Ebenso seien die unterschiedlichen Verkehrsflüsse (morgens in Richtung Aachen, abends umgekehrt) zu berücksichtigen.

Klaus Onasch, der Fraktionsvorsitzende der SPD Roetgen, sah sich als Betroffener „hilflos“. Es könne nicht sein, „dass zwei Behörden sich blockieren“, und damit einen Zustand des Stillstandes herbeiführten. Es sei lange diskutiert worden; jetzt solle man sich am Sachverstand orientieren.

Nicht nur wegen der Argumentation des Straßenbaulastträgers unterstütze man die Ampellösung. Der Grunderwerb für einen Kreisverkehr sei problematisch und außerdem erziele man damit „keine Verbesserung“ für Fußgänger.

Martin Peters betonte, dass man die überörtliche Bedeutung der B 258 sehr wohl im Blick habe, doch bedeute dies nicht, dass die Gemeinde Roetgen als Belegenheitskommune nicht eigenverantwortlich Einfluss auf die Verkehrsabwicklung nehmen dürfe.

Die Interessen der Bürger vor Ort hätten ebenfalls ihre Berechtigung, unterstrich auch Stefan Kämmerling, der ebenfalls die Vorteile einer Lichtzeichenanlage herausstellte. Eine „intelligente Ampel“ priorisiere den Durchgangsverkehr und sorge dafür, dass der Verkehrsfluss aufrecht erhalten werde.

„Wir müssen eine Situation schaffen, bei der es keine Verlierer gibt“, ging der Landtagsabgeordnete auch auf die zum Teil heftige Kritik an einer zweiten Ampel aus den Nachbarkommunen Monschau und Simmerath ein.

Auch Roetgens Bürgermeister Manfred Eis findet, dass die Zeit drängt, besonders für die schwächsten Verkehrsteilnehmer etwas zu tun. Auch er sehe einen Kreisverkehr als nicht umsetzbar. Die Gemeinde müsste dafür nicht nur einen beträchtlichen Teil der Naturanlage am Pferdeweiher opfern, auch werde weiteres Privateigentum berührt. Die jetzige Situation bezeichnete er als „total unbefriedigend“. Maßgebend für ihn sei, dass der Straßenbaulastträger einer Ampel die höhere Leistungsfähigkeit gegenüber einem Kreisverkehr einräume. Daher müsse jetzt versucht werden, auf politischer Ebene auf die Städteregion einzuwirken.

(Quelle: Eifeler Zeitung vom 30.01.2015, Bericht von Peter Stollenwerk)