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Eschweiler/Stolberg. Im ersten Anlauf ist der junge Banker knapp gescheitert. 500 und paar gequetschte Stimmen fehlten ihm auf Axel Wirtz.

Herr Kämmerling – Bei der letzten Wahl haben Sie ihren CDU-Kontrahenten ganz schön ins Schwitzen gebracht. Was macht Sie optimistisch, ihn diesmal überflügeln zu können?

St. Kämmerling: 2010 lagen wir in allen Umfragen hinter der CDU und ich bin dann mit 540 Stimmen denkbar knapp unterlegen. 2012 ist die Ausgangslage deutlich besser, auch wenn Umfragen noch lange keine Wahlergebnisse sind. Rot-Grün hat in nur zwei Jahren Regierungsverantwortung Erfolge vorzuweisen, die haben andere Landesregierungen nicht in fünf und mehr Jahren zustande gebracht. Hinzu kommt, dass die SPD mit Hannelore Kraft eine kluge und äußerst beliebte Spitzenkandidatin stellt, die sich klar zu NRW bekennt und auch hier bleibt. Komme was wolle und ohne Kanzlerin-Ticket nach Berlin. Das ist eine Klarheit die Bürger schätzen. Ich persönlich bin ungebrochen motiviert. Wie vor zwei Jahren werde ich von morgens bis abends das Gespräch mit Wählern suchen und für unsere gute Bilanz werben. Ich möchte mal ein Abgeordneter zum Anfassen werden, und darum werde ich auch wieder ein Kandidat und Wahlkämpfer zum Anfassen sein.

Mit welchen Themen wollen Sie beim Wähler punkten?

St. Kämmerling: Mit unseren gehaltenen Versprechen: Wir haben die Studiengebühren abgeschafft, damit Bildung nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Wir haben ein beitragsfreies Kindergartenjahr eingeführt und damit den Weg eingeleitet, dass kein Kind mehr zurückgelassen wird. Mit dem Stärkungspakt Stadtfinanzen ist der erste Schritt getan, die Kommunen aus der Verschuldungsfalle zu befreien. Hier sind weitere Hilfen notwendig. All das geißelt die CDU als Geldverschwendung und will es rückgängig machen. Die SPD sieht darin Investitionen in die Zukunft des Landes und der Menschen. Wir haben die Mitbestimmungsrechte von Personalräten gestärkt. Die CDU hält das Gegenteil für richtig. Der Wähler hat also die Wahl zwischen sich klar unterscheidenden Positionen.

Würden Sie zustimmen, wenn man sagen würde, dass das Projekt einer Minderheitsregierung – formal, nicht inhaltlich – gescheitert ist?

St. Kämmerling: Ja, das ist so. Wir haben uns das natürlich nicht ausgesucht. Die Minderheitsregierung war aus der Not geboren. Zwei Jahre Rot-Grün haben dem Land dennoch gut getan. Wir haben die Neuwahl nicht gewollt. SPD und Grüne haben seit 2010 bis auf den Haushalt keine einzige Abstimmung im Landtag verloren. Wir haben eine Koalition der Einladung versprochen und Wort gehalten. Mit wechselnden Mehrheiten wurden gute Sachentscheidungen durchgesetzt. Bis sich die FDP jetzt bei der Haushaltsabstimmung verzockt hat. Wenn dann noch die Totalblockade der CDU dazukommt, nutzt auch keine Koalition der Einladung mehr.

Der politische Gegner wirft der SPD ein „Schuldenchaos“ in NRW vor – was entgegnen Sie?

St. Kämmerling: Zwischen 2005 und 2010 hat die Landesregierung aus CDU und FDP die Verschuldung Nordrhein-Westfalens von 106,8 auf 130 Milliarden Euro erhöht. Wohlgemerkt bei über 20 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen in dieser Zeit. Qualifizierte Ratgeber sehen doch nun wirklich anders aus. In der Opposition angekommen schwenkt die CDU um und fordert jetzt radikale Einschnitte im Landeshaushalt. Mit der Folge, dass das gesamte öffentliche Leben einem Kahlschlag ausgesetzt wäre. Einsparungen sind selbstverständlich notwendig. Aber Kaputtsparen, das machen wir Sozialdemokraten nicht mit. Ich halte es da mit Hannelore Kraft: „Wir brauchen den Dreiklang aus Sparen, Investieren und sozialer Gerechtigkeit.“

Die SPD mag sich lange Zeiten einer absoluten Mehrheit in NRW zurückwünschen, doch scheint das unwahrscheinlich. Wenn‘s für Rot-Grün nicht reicht – wie sehen Sie eine „Große Koalition“?

St. Kämmerling: Kritisch. Ich kämpfe für ein Direktmandat, um mit meiner Stimme im Landtag Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin einer rot-grünen Landesregierung zu wählen. Eine Große Koalition kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Weder mit, noch ohne Herrn Röttgen. Die Vorstellungen, wie man NRW gerecht gestaltet und zukunftsfähig macht, unterscheiden sich einfach zu sehr.

Mit Stefan Kämmerling
sprach Wolfgang Wynands

(Wir zitieren die SuperSonntag vom 25.03.2012)