In der Nordeifel liegt ein vernetztes Talsperren-System, dessen Errichtung vor über 115 Jahren begann und ursprünglich zur Trinkwasserversorgung angelegt wurde. Auch heute noch bildet das Rurstausee- und Talsperren-System ein wichtiges Trinkwasserreservoir. Doch längst hat sich die Seenlandschaft auch als touristischer Hot-Spot etabliert. Für Tagestouristen, aber auch mit Übernachtungsangeboten, erfreut sich die gesamte Region rund um die Seenlandschaften enorm großer Beliebtheit. Die beiden Aspekte der Aufrechterhaltung einer gesicherten Trinkwasserversorgung und des touristischen Angebots spielen eine wichtige Rolle in der Region und für die Region.

Vor dem Hintergrund des Strukturwandels im rheinischen Braunkohlerevier und des Endes der Braunkohleförderung am Tagebau Inden wird der Rur, die unmittelbar den Tagebau Inden tangiert, eine weitere wichtige Rolle zufallen – soll doch der Restsee des Tagebaus Inden hauptsächlich mit Wasser aus der Rur befüllt werden. Eine gutachterliche Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2011 hatte ergeben, dass eine Entnahme aus der Rur zur Seefüllung in rd. 30 – 40 Jahren ohne Beeinträchtigung des Ökosystems sicher möglich sei.

Gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD-Simmerath, Gregor Harzheim, sowie SPD-Ratsmitglied aus Nideggen, Christian Naas, sorgen wir uns über sinkende Pegelstände des Talsperrensystems der Rur vor dem Hintergrund der Befüllung des Tagebaus Inden und der sich parallel verändernden Witterungsverhältnisse. Mit einer Kleinen Anfrage wandte ich mich deshalb an die Landesregierung.

„In den letzten Jahren haben Niedrigwasserereignisse immer wieder Schlagzeilen gemacht. Fließende Gewässer, wie Rhein und Rur, aber auch der Rurstausee, wiesen in den Sommermonaten einen so niedrigen Pegelstand, wie selten auf. Für die Befüllung des Restsees des Tagebaus Inden durch die Rur wäre eine dauerhafte Wasserführung der Rur notwendig. Eine erhöhte Entnahme von Wasser aus dem Rurstausee lässt jedoch die Sorge wachsen, das touristische und auch trinkwasserwirtschaftliche Angebot des Rurstausees und auch des Staubeckens Obermaubach könne durch dann sinkende Pegelstände – dauerhaft oder auch nur in den Sommermonaten – in Gefahr sein.

In der jetzt ergangenen Antwort der Landesregierung bestätigt Umweltministerin Heinen-Esser die vielfältige Bedeutung des Rurtalsperrensystems. Demzufolge haben die Talsperren der Rur die Aufgaben einer Brauchwasserbereitstellung, der Erhöhung der Niedrigwasserführung der Rur, der Energiegewinnung, des Hochwasserschutzes und der Trinkwassergewinnung zu erfüllen. Laut Betriebsplan betrage die niedrigste Abgabe aus dem Staubecken Obermaubach, als letzte Talsperre flussabwärts bis zur Mündung, in die Rur 5 m³/s, die nicht unterschritten werden dürfe.

Gleichzeitig räumt die Landesregierung in der Antwort aber auch ein, dass die Pegelstände der Stauseen von den Abgaben sowie den Zuflüssen und somit den Niederschlagsmengen abhängig seien und im Zuge des Klimawandels bereits jetzt deutliche Veränderungen in den Niederschlagshäufigkeiten und -intensitäten zu verzeichnen seien. Zu den Auswirkungen der Befüllung des Restsees des Tagebaus Inden auf die Pegelstände der entlang der Rur gelegenen Stauseen können derzeit laut Landesregierung noch keine konkreten Aussagen getroffen werden und es lägen noch keine belastbaren Kenntnisse über ein Entnahmekonzept zur Wasserentnahme aus der Rur vor.

Dass die Landesregierung sich zur Befüllung des Tagebaus Inden mit Rurwasser einerseits auf eine Machbarkeitsstudie bezieht, derzufolge die Befüllung ohne Beeinträchtigung des Ökosystems möglich sei, andererseits aber einräumt, nicht zu wissen, welche Auswirkungen die Wasserentnahme auf das Talsperrensystem der Rur hat, ist besorgniserregend. Nicht nur der touristische Nutzen der Stauseen, auch der wasserwirtschaftliche Faktor, sind für die Region entscheidend. Wenn eine Entnahme aus der Rur zur Befüllung des Restsees Inden tatsächlich – wie geplant – stattfinden kann, muss dies in jedem Falle so geschehen, dass es nicht nur keine ökologische Beeinträchtigung gibt, sondern auch die touristische, energiewirtschaftliche und wasserwirtschaftliche Nutzung der Stauseen sichergestellt bleibt.

Die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage gibt es hier.