Runder Tisch in Düsseldorf mit dem Verkehrsminister Michael Groschek endet ohne Ergebnis. Im Januar erneutes Treffen.

Michael Groschek wird sich gestern noch an die Transparente und die Gespräche im Mai erinnert haben, die den 3. Bauabschnitt forderten. Dabei war der Landessverkehrsminister nach Eschweiler gekommen, um den zweiten Abschnitt über den Hohen Stein freizugeben. Damals versprach er der Bürgerinitiative „Ortsumgehung Pumpe“ ein Treffen in Düsseldorf. Gestern Nachmittag fand der Runde Tisch nun statt. Das Ergebnis: Die Umgehungsstraße bleibt in der Diskussion, im Januar will die Runde erneut zusammenkommen.

Exakt zwei Stunden lang sprachen der Minister und seine Mitarbeiter, Vertreter von Landesbetrieb Straßenbau, BUND und Naturschutzbund, Monika Frohn von der Industrie- und Handelskammer Aachen, die Technischen Beigeordneten Hermann Gödde (Eschweiler) und Tobias Röhm (Stolberg), Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram sowie ein Trio der Bürgerinitiative über die Möglichkeit einer Umgehungsstraße. Es sei eine „konstruktive und intensive Diskussion“ gewesen, so Bürgermeister Bertram.

Entlastung durch die L221?

Einfluss auf die letztliche Entscheidung hat auch der Bau der Umgehungsstraße L221 Eilendorf, der gestern bestätigt wurde. Diese Straße ermöglicht den Menschen in Stolberg einen schnellen Weg zur Autobahn 44, schließlich soll der Aachener Vorort auch einen Autobahnanschluss erhalten. Im Landesministerium geht man davon aus, dass diese Vekehrsader auch die Landesstraße 238 n in Eschweiler entlastet. Allerdings: Zahlen liegen noch nicht vor, die Straße muss schließlich erst einmal gebaut werden. Im kommenden Jahr soll der Landesbetrieb Straßenbau die Pläne vorstellen, das Planfeststellungsverfahren soll ein Jahr später anlaufen. Frühestens im Jahr 2017 rollen in Eilendorf die Bagger an.

Drei Varianten der Ortsumgehung Pumpe behandelt das Linienbestimmungsverfahren, das vor acht Jahren abgeschlossen wurde. Eine Möglichkeit sieht vor, die Straße geradeaus fortzuführen. Diese Alternative ist jedoch gestern – wie erwartet – endgültig verworfen worden. Dafür hätte man das Möbelhaus an der Phönixstraße und die dahinter liegenden Häuser abreißen müssen. Auch eine zweite Variante ist nach der gestrigen Debatte wohl vom Tisch: Sie verlief entlang der Inde und stieß hinter dem Klärwerk auf die Eschweilerstraße. Vor allem der Umweltschutz legt diese Hürde sehr hoch.

Bleibt die Strecke entlang der Bahn, die auf die Propsteistraße mündet. Sie ist aber ebenso mit Problemen verbunden. Nach Informationen unserer Zeitung vor allem ein finanzielles: Die dritte Variante ist mit hohen Entschädigungszahlungen behaftet. Dem Vernehmen nach erreichen die Kostenschätzungen im Landesministerium inzwischen über 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der deutlich längere zweite Bauabschnitt kostete unter zehn Millionen Euro. Zudem gehen die Fachleute davon aus, dass die auf Stolberger Stadtgebiet fälligen Entschädigungszahlungen für dortige Unternehmen über den eigentlichen Straßenbaukosten liegen. „Warum hat die Stadt Stolberg Grundstücke am Hauptbahnhof veräußert, obwohl sie wusste, dass die Umgehungsstraße dort durchführen soll?“, fragt Karl-Josef Die­geler von der Bürgerinitiative „Ortsumgehung Pumpe“.

Am Runden Tisch nahmen er, sein Sohn René Diegeler und Yasmin Thies-Noriega für die Anwohner in Pumpe teil. Die Eschweiler Bürger kehrten zum Teil enttäuscht aus Düsseldorf zurück: „Dass die Umgehungsstraße Eilendorf auch uns entlastet, bestreite ich vehement“, betont René Diegeler. In seinen Augen würde kein Stolberger den Umweg über die Autobahn 44 und das Autobahnkreuz Aachen in Kauf nehmen, um auf die Autobahn 4 nach Köln zu gelangen. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Belastung sogar noch zunimmt“, befürchtet er.

Den Pessimismus der Bürgerinitiative kann Bürgermeister Rudi Bertram nicht teilen. „Es ist klar, dass diese Straße nicht tot ist“, sagte er. Die Städte Eschweiler und Stolberg werden nun gemeinsam eine leicht abgewandelte Linienführung erarbeiten, die auch den Wasserverband Eifel-Rur einbindet. Die Inde soll schließlich dort zum Teil renaturiert und – ähnlich wie zwischen Weisweiler und Eschweiler-Ost – wieder in Meandern fließen. Die Stadtverwaltung hofft, dass man bei einer genau abgestimmten Planung die Grundstücke umgehen könnte, die eine Entschädigungszahlung erforderlich machen würden. Auch aus diesem Grund sei das erneute Treffen im Januar geplant.

Der Eschweiler Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD), der den Kontakt zum Landesminister Groschek hergestellt hat, zeigte sich gestern zufrieden, dass die Gespräche Klarheit gebracht haben: Die Straße sei nach wie vor nicht vom Tisch. „Für Stolberg freue ich mich natürlich, dass man dort die Autobahn 44 bald auch über Eilendorf schnell erreichen kann. Ob diese Straße allerdings auch Pumpe entlastet, weiß ich nicht“, teilte er gestern mit. Deswegen fordert er nach wie vor einen 3. Bauabschnitt.

Keine Politiker dabei

Am gestrigen Gespräch war Kämmerling allerdings nicht beteiligt. Auch von den anderen Parteien nahm niemand teil. Es seien nur „Vertreter der Behörden, der IHK, der Naturschutzverbände und Bürgerinitiative eingeladen“, hieß es.

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 23.10.2014, Bericht von Patrick Nowicki)