Setzen auf Brüssel: Andreas Engelhardt, Martin Peters, Ralf Radmacher, Stefan Kämmerling und Martin Schulz (v.l.). Foto: J. Schlegelmilch

Setzen auf Brüssel: Andreas Engelhardt, Martin Peters, Ralf Radmacher, Stefan Kämmerling und Martin Schulz (v.l.). Foto: J. Schlegelmilch

Geschäftsführer Andreas Engelhardt trifft EU-Fraktionsvorsitzenden Martin Schulz (SPD) zu Sondierungsgespräch

Von Jan Schlegelmilch

Stolberg. Ende des Jahres 2009 hatte Andreas Engelhardt schon die ersten Lichtstrahlen am Ende des Tunnels gesehen. Jetzt macht sich der leichte konjunkturelle Aufschwung bei Prym auch unmittelbar vor Ort bemerkbar. „Wir haben am Standort Stolberg kurzfristig die Kurzarbeit außer Kraft gesetzt, das ist ein gutes Signal“, berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung – in dem Wissen, dass die wohl schwerste Krise der langen Firmengeschichte noch nicht überwunden ist. Denn neben den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise wiegt insbesondere die Last der beiden EU-Strafen in Höhe von 67,5 Millionen Euro schwer. „Mit dem EU-Paket auf den Schultern mussten wir uns natürlich mehr anstrengen, um keinen Kollaps zu erleiden. Aber den haben wir nicht erlitten“, bilanziert Engelhardt, der sich dabei auch weiterhin auf die breite Unterstützung der Politik auf allen Ebenen verlassen kann. Das machten Vertreter der SPD in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung deutlich.

„Bei Prym geht es nicht um den Untergang der deutschen Volkswirtschaft, aber symbolisch darum, Deutschland als einen Standort industrieller Tätigkeit zu erhalten. Dafür ist das hier repräsentativ“, betont Martin Schulz, Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament, der sich in den Verhandlungen mit der Europäischen Kommission für die Belange von Prym einsetzt. Einsetzen möchte sich auch SPD-Landtagskandidat Stefan Kämmerling, der die Bedeutung des Unternehmens nicht nur für Stolberg, sondern für die gesamte Region hervorhob. „Wenn wir über so einen Betrieb reden, reden wir auch über Geld, was im Umfeld ausgegeben wird.“ Es ginge hierbei auch nicht um sozialdemokratische oder christdemokratische Arbeitsplätze, „sondern es gibt nur Arbeitsplätze“, will Kämmerling die Situation nicht zum Wahlkampfthema machen.

Dass sich Prym in der Krise sowohl auf die Unterstützung der Politik als auch auf die Finanzierungspartner verlassen kann, hängt vor allem mit der engen und geradlinigen Kooperation des gesamten Unternehmens zusammen, von der laut Engelhardt eine „Initialzündung“ ausging.

„Der freiwillige Arbeitnehmerverzicht hat dem Unternehmen in der schwierigen Phase geholfen“, lobt der Vorsitzende der Geschäftsführung, dem sich Martin Schulz nur anschließen kann: „Die Zusammenarbeit zwischen Management und Personal läuft hier wirklich vorbildlich. Das ist selten so zu finden. Wir fühlen uns der Unternehmerschaft wie der Belegschaft hier verpflichtet.“

Prym hatte zu Beginn des Jahres 2009 ein Sparpaket in Höhe von 40 Millionen Euro geschnürt, wobei die Arbeitnehmerschaft mit rund 12 Millionen Euro beteiligt war. So habe aber beispielsweise die Kurzarbeit in der Division „Inovan“ 20 der 156 Arbeitsplätze sichern können, erzählt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Ralf Radmacher.

Ausgenommen von den Sparmaßnahmen wurden die Auszubildenden, deren Einstellungsquote weiterhin unverändert ist und denen nach Ausbildungsabschluss in der Regel ein Arbeitsvertrag von mindestens einem Jahr angeboten wird. „Das ist ein wichtiges soziales Signal“, meint Engelhardt.

Die nächsten positiven Signale erhoffen sich wohl alle Beteiligten aus Brüssel. „Ich habe nicht den Eindruck, dass man nicht an einer Lösung arbeitet. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, kommentierte Engelhardt den Stand der Verhandlungen nur knapp.

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