Beim Interview mit der Schülerzeitung >School goes Extreme<

Beim Interview mit der Schülerzeitung >School goes Extreme<

Trotz des zeitweise schlechten Wetters an diesem Tag fanden sich viele Menschen, darunter unser Bürgermeister Rudi Bertram, die Bürgermeister aus Baesweiler, Stolberg, die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Aachen, Vertreter der Parteien SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Die Linke, sowie Schülerinnen und Schüler der umliegenden Schulen, viele freiwillige Bürgerinnen und Bürger der Region, Bands und nicht zuletzt Zeitzeugen auf dem Platz vor dem Kulturbahnhof ein um Flagge gegen die faschistischen Strömungen in der Umgebung und in ganz Deutschland zu zeigen.
Besondere bzw. prominente Gäste der Veranstaltung waren der aus Hehlrath stammende Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz (SPD) sowie die Kölner Band Brings.
Auch das WDR und die Eschweiler Nachrichten berichteten von der Aktion.
Begonnen hatte die Veranstaltung schon vor 11 Uhr mit einem Fahrrad-Corso der evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß, der von Kindern und Erwachsenen unterstützt wurde.

Daraufhin begann der erste offizielle Teil der Veranstaltung.

Bürgermeister Rudi Bertram begrüßte alle Anwesenden und war sichtlich stolz auf seine Bürger und Bürgerinnen. Er dankte alle Anwesenden dafür das sie „Gesicht zeigen gegen das Braune Pack“, denn Braun bräuchten wir nicht!

Dann ergriff auch der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, das Wort und hob die Bedeutung des Aktionstages hervor, der für ihn „die wichtigste Veranstaltung des Tages“ gewesen sei. Dabei fand er deutliche Worte: „Die Nationalsozialisten sind eine Gruppe von Menschen, die millionenfachen Mord begangen haben und für die es hier kein Platz gibt. Nazis wollen unser Grundgesetz zerstören und gehören daher verboten!“  brachte er es in seiner Rede, die mit lautem Beifall von den Zuhörern aufgenommen wurde, treffend auf den Punkt.
Für unsere Zeitung konnten wir auch einige Interviewpartner gewinnen, die gerne bereit waren, sich unseren Fragen zu stellen.

Rudi Bertram bekräftige seine Meinung im Interview, in dem er deutliche Worte fand, die Nazis als „menschenverachtende Gruppe“ bezeichnete, die daher auch verboten gehöre. Zudem brachte er noch einmal seinen Stolz und seine Dankbarkeit für die Bürgerinitiative zum Ausdruck, die „mit einer solchen Vielzahl gegen die braune Brühe vorgeht“. Über die Absage der Nazi-Demonstration zeigte er sich sehr erfreut.

Leo Gielen, der Veranstalter und Organisator des Aktionstages, zeigte im Interview „überhaupt kein Verständnis“ für Nazis: „Für mich ist es eine ganz klare Sache, dass die Nazis in Deutschland verboten werden müssen!“. Naziaktivitäten seien zwar immer noch zu erwarten, aber „durch die deutlichen Signale von uns – als Bürgerinnen und Bürger – werden sie sich nicht trauen, draußen zu erscheinen.“ Auch er zeigte sich als klarer Befürworter eines NPD-Verbots.
Das zweifellos ausführlichste Interview, welches als Anhang exklusiv veröffentlicht wird, führten wir mit Stefan Kämmerling, dem Stadtverbandsvorsitzenden der SPD Eschweiler.

Aber nicht nur die Bürger unserer Stadt waren vertreten, sondern auch viele Bürger aus Stolberg. Deren Bürgermeister Ferdinand “Ferdi” (Zitat Rudi Bertram) Gatzweiler wies darauf hin, dass die Bürger bereits viele Erfolge gegen die Nazis erzielt hätten und immer wieder auf die Straßen gehen würden, um die Neonazis zu bekämpfen.

Aber nicht nur die Politik war in breitem Aufgebot vertreten. Für die leisen und besinnlichen Töne des Tages sorgten Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinden. Sie beteiligten sich am Aktionstag und hielten zusammen mit dem Vertreter der türkischen Gemeinde eine Rede für die Demokratie und gegen die Nazis.
Gebannt lauschten Jung und Alt der Rede zweier Zeitzeugen, die den Holocaust selbst miterlebt haben und Rassismus auch heute keineswegs als Randproblem bezeichnen.

Für die lauten und eindringlichen Töne des Tages sorgte dagegen die Schülerband „Horror Puppets“ der Waldschule, denn ihr Motto hieß: „Wir machen Krach gegen das Braune Pack!“. So stimmten sie neben eigenen Liedern auch Lieder der Band Metallica an.

Auch die Realschule hatte einiges zu bieten. Wenn auch mit etwas ruhigeren Klängen, setzten sie sich mit ihrer Schülerband gegen die Rechtsextremisten ein und ernteten ebenfalls den Applaus des Publikums.

Aber nicht nur durch Musik machten die Schulen ihre Meinung gegenüber dem „braunen Mob“ deutlich. Auch durch die Reden der Schülersprecher von Real- und Gesamtschule bezogen sie ganz klar Position – gegen Rechts!
Im Bistro im Talbahnhof lief zudem eine Präsentation, die von verschiedenen Eschweiler Schulen, so auch von unserer, mit viel Einsatz erstellt wurde. Im Vorfeld des Aktionstages bildeten die beteiligten Schulen auf ihrem Schulhof jeweils verschiedene zum Thema passende Worte, wie zum Beispiel unsere Schule das Wort „Toleranz“, bei denen die einzelnen Buchstaben von Schülerinnen und Schülern gebildet wurden. Diese Wörter wurden dann fotografiert und schlussendlich zu einer großen Präsentation zusammengefügt, die am Aktionstag gezeigt wurde.

Nachdem die „Kleinen“ somit ihren Beitrag geleistet hatten, waren die „Großen“ an der Reihe: Die Togolesen Tanz & Folkloregruppe, der Trompetenchor Weisweiler, eine Türkische Gruppe mit Volksliedern und eine Afrikanische Trommelgruppe.
Unstrittiges Highlight des Tages war sicherlich der Auftritt der Kölner Rockband Brings, die ihrerseits mit musikalischem Beitrag die Aktion unterstützen wollte.
Das Ergebnis des Tages lässt sich kurz zusammenfassen:
Ein buntes Zusammenkommen aller Kulturen und Religionen, die Seite an Seite (und teilweise auch Arm in Arm) aktiv am Kampf gegen Rechts teilnehmen wollten, ganz nach dem Motto des Tages: Bunte Vielfalt statt Brauner Einfalt!

Hier noch wie versprochen das exklusive Interview mit Stefan Kämmerling:

  1. Wie stehen sie zu Nazis?
    Nazis vertreten für mich eine Ideologie, die unserem Freiheitsstaat völlig entgegensteht.
    Nazis sind der Meinung, dass behinderte Menschen kein Recht auf Leben haben, dass  ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen in Deutschland nichts zu suchen haben. Und dem stellen wir uns als Eschweiler Bürger und Bürgerinnen entgegen.
    Somit bin ich stolz auf  meine Heimatstadt Eschweiler, dass trotz des Wetters viele erschienen sind, um gegen die Braune Brut aufzustehen!
  2. Was kann/soll die Veranstaltung bewirken?
    Man darf nicht müde werden, immer wieder aufzustehen, wenn sich Nazis anmelden
    Und die Veranstaltung bewirkt, dass sämtliche Gruppierungen in Eschweiler zusammengebracht werden und dadurch die Kommunikation gestärkt wird. Dies stärkt die Gruppen.
  3. Was halten sie von der Absage der Nazis?
    Man sollte nicht unbedingt jubeln, da man sich nicht sicher sein kann, ob es wegen unseren Bemühungen ist.
    Ich glaub aber, dass wir ein ganz deutliches Zeichen gesetzt haben – auch für die Zukunft.
    Kirche, Jugendliche, Erwachsene, Parteien und Gesellschaften werden immer aufstehen.
  4. Wie stehen sie zum NPD – Verbot?
    Ich sehe zwei schwierige Hintergründe:
    Der Staat hat Mitglieder der NPD in der Spitze untergebracht, die man unbedingt zurückholen muss. Dadurch hat man aber wenig Ahnung über den internen Aufbau der NPD. Und es handelt sich nach dem Parteienrecht auch um eine Partei. Aber ich  bin überzeugt, dass sich die Demokraten zusammenschließen werden und gegen diese Partei vorgehen werden, damit die NPD verboten wird. Diese Partei und die Nationalsozialisten sind Feinde unserer Verfassung.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Rudi Bertram und Theo Gielen, die sich im Interview unseren Fragen gestellt haben.
Ein besonderes Dankeschön geht außerdem an Stefan Kämmerling, der sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen so ausführlich zu beantworten, an Oliver Liebchen für die weiteren Informationen und Fotos sowie unseren Mitschüler Aaron Möller (Mitglied der “Jusos” Eschweiler), der uns die Interwievpartner vermittelt hat.

M.J. & M.A.

(Wir zitierten die Schülerzeitung >School goes Extreme< des städtischen Gymnasiums Eschweiler. Link zum Originalartikel: http://school-goes-extreme.de/2012/04/welch-ein-herrlicher-samstag/)