Klaus Wowereit im Gespräch mit Eschweilerinnen und Eschweilern

Klaus Wowereit im Gespräch mit Eschweilerinnen und Eschweilern

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 08.05.2010 – Bericht von Rudolf Müller

Zum Ausklang des Landtagswahlkampfs hält der Regierende Bürgermeister von Berlin und Vize-Bundesvorsitzende der SPD gestern Abend auf dem Marktplatz Stefan Kämmerlings Fahne hoch. Klaus Wowereit hat an der Inde viele Fans.

Eschweiler. „Berlin grüßt Eschweiler!“ Klaus Wowereit ersparte es sich gestern, von der Bühne am Markt herab zu verkünden: „Ich bin ein Eschweiler!“. Aber er gab sich wie ein solcher. Von Unnahbarkeit keine Spur: Wowereit schüttelte Hände, schrieb Autogramme, übte sich in Smalltalk und genoss die aufmunternden und anerkennenden Worte zahlreicher Menschen auf dem Eschweiler Marktplatz. „Ein richtig netter Kerl, der ist ja wie einer von uns“, zollte ein Zuschauer dem Regierenden Bürgermeister der Bundeshauptstadt Beifall. Wowereit, im Europawahlkampf im benachbarten Würselen Gast Martin Schulz MdEP, Chef der Sozialisten im Europaparlament, war jetzt mit Schulz gemeinsam an die Inde gekommen, um die Werbetrommel für Stefan Kämmerling zu rühren. Begrüßt wurde er von Bürgermeister Rudi Bertram: Für ihn sei es schon eine Frage der Höflichkeit, so Bertram, ungeachtet der Wahlhilfe-Diskussionen der vergangenen Tage einen so hochkarätigen Gast persönlich in der Stadt zu begrüßen. Und natürlich ließ Bertram die Gelegenheit nicht aus, dem stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Wowereit eindringlich die Nöte der Kommunen zu schildern. In zwei Jahren, so sagen Gutachter, haben von 398 Kommunen in Nordrhein-Westfalen nur noch 18 einen ausgeglichenen Haushalt. „Wir stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Wenn nicht bald eine nachhaltige Gemeindefinanzierungsreform kommt, gehen in unseren Städten die Lichter aus.“

Die SPD dürfe keinesfalls zulassen, dass die Gewerbesteuer abgeschafft werde. Stefan Kämmerling schrieb Bertram ins Stammbuch, als Mitglied des Landtags nur ja nie die Hand für ein Gesetz zu heben, das dem Konnexitätsprinzip zuwiderlaufe, sprich: das die Kommunen zahlen lasse, was das Land anordne.

Im kleinen Kreis tauschten sich Klaus Wowereit, Martin Schulz, Stefan Kämmerling, Rudi Bertram, Noch-Landtagsabgeordnete Helen Weidenhaupt und SPD-Ratsfraktionschef Leo Gehlen vor der Markt-Kundgebung bei Lammkoteletts und Meeresfrüchten, Bohnen und Tzaziki im „Griechen“ aus – ein Imbiss für den Berliner Wahlkämpfer, der gerade von einem Einsatz in Pulheim kam. Das ist die Heimat von CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der zu dieser Zeit in Düsseldorf war. „Als die CDU mitkriegte, dass ich da hin komme, hat sie schnell ein Gegen-Fest organisiert“, lacht Wowereit. „Aber als ich kam, war aus der Hüpfburg die Luft schon raus.“ Auf dem Flug nach Köln hatte er am Nachmittag Air-Berlin-Chef Hunold und Grüne-Sprecher Trittin getroffen, berichtet er, und Schulz, in einer anderen Maschine ebenfalls aus Berlin eingeflogen, saß zwischen SPD-Chef Gabriel und FDP-Außenminister Westerwelle. Man sieht sich. Wowereit und Schulz sehen sich fast jeden Montag: im SPD-Präsidium. „Da beschwert der Martin sich immer, weil er immer aufzeigt und nie zu Wort kommt“, berichtet Wowereit. Wer Schulz kennt, entdeckt da völlig ungeahnte Züge.

Aber natürlich geht’s bei allem munterem Geplänkel auch um Politik. Was empfiehlt der Chef der rot-roten Berliner Regierung der SPD in NRW in Sachen Linke? „Gar nix“, sagt Klaus Wowereit. „Die SPD hier ist klug genug, selbst zu entscheiden.“ Er sei keineswegs ein genereller Befürworter einer Zusammenarbeit mit der Linken, aber „wir dürfen sie nicht tabuisieren, sie nicht zu den Schmuddelkindern der Nation erklären“. Eine Zusammenarbeit müsse man nicht zuletzt von Personen abhängig machen – „und zwischen der Linken in Berlin und der hier liegen Welten“.

Rot-Grün müsse das Ziel sein, und das sei machbar, betont der Stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, assistiert von Martin Schulz: „Die Partei ist motiviert, die Bürger sind offen, es gibt keine Aversion gegen die SPD – das ist schon jetzt ein erheblicher Qualitätssprung im Vergleich zur Bundestagswahl.“ Auch die Tatsache, dass Experten SPD und CDU gleichauf sehen, wertet Schulz als Erfolg. Weil das ein deutliches Absacken der CDU bedeutet. Bis Sonntagabend bleibt es spannend. Aber, so betont Stefan Kämmerling nach langen, intensiven Wahlkampfwochen, „ich habe Leute kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte, habe mit ihnen gute Gespräche geführt und Erfahrungen gesammelt, die mir niemand mehr nehmen kann – egal, wie’s ausgeht.“

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