L238n: Stefan Kämmerling MdL bringt neue Variante ins Spiel

L238n: Stefan Kämmerling MdL bringt neue Variante ins Spiel

Für die Landesstraße über den Hohen Stein fließt Geld. Aber die Pläne für die Ortsumgehung Pumpe liegen auf Eis.

Auskunft gibt es inzwischen nur noch von höchster Stelle: Der Landesbetrieb Straßenbau verweist bei Fragen zum Weiterbau der Landesstraße 238 n unmittelbar auf das zuständige Landesministerium. Auch dort hält sich die Fachabteilung zurück. Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Im Landeshaushalt ist der Weiterbau für 2013 vorgesehen. Im Landesstraßenbauplan 2012 sollen 5,2 Millionen Euro fließen, weitere 3 Millionen sind für das Folgejahr eingeplant. Der Landeshaushalt ist aber noch nicht endgültig abgesegnet. Die Klage gegen den Etat Anfang des Jahres hat einen früheren Baubeginn gebremst. Die Ausschreibung musste im Mai gestoppt werden, um Regressansprüche zu vermeiden.

Es ist also wahrscheinlich, dass im nächsten Jahr tatsächlich gebaut wird – 16 Jahre nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitts, der Brücke über die Inde, die am Hohen Stein abrupt endet und zur Odilienstraße und Aue führt. Der 2. Bauabschnitt soll nun den Anschluss an die Phönixstraße über den Hohen Stein herstellen. Zum letzten Mal wurden dort im Jahr 2010 Baufahrzeuge gesichtet. Für satte 1,7 Millionen Euro steht seitdem eine geschmackvolle Betonbrücke ungenutzt im Niemandsland.

Linienbestimmung beendet

Unmittelbar an den 2. Bauabschnitt sollte ursprünglich der 3. und für die Bürger in Pumpe wichtigere Abschnitt gekoppelt sein. Das Linienbestimmungsverfahren wurde 2008 abgeschlossen, es herrscht allerdings noch kein Baurecht. Erst recht ist kein Geld eingeplant. Die rot-grüne Landesregierung legte im September 2011 einen Schwerpunkt auf die Straßenerhaltung und konzentrierte sich auf Straßenprojekte, die „in absehbarer Zeit umsetzbar und finanzierbar“ sind. Dazu zählt der 3. Bauabschnitt der Ortsumgehung Pumpe nicht. Aktuell macht das Landes-Ministerium wenig Hoffnung: „Wenn sich freie Planungskapazitäten und damit Spielräume für die Weiterplanung von nachrangig priorisierten Maßnahmen ergeben, ist über die Weiterplanung des 3. Bauabschnitts zu entscheiden“, heißt es aus Düsseldorf.

Dies will der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) so nicht stehen lassen: „Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht mit der Straße beschäftige und mich dafür stark mache.“ Unterstützt wird er dabei von seinen Parteifreunden, den Bürgermeistern Rudi Bertram (Eschweiler) und Ferdi Gatzweiler (Stolberg). Beide Städte haben nämlich ein großes Interesse an dem Bau der Straße. Bertram schickte einen Brief unmittelbar nach den Landtagswahlen im Mai an Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW. Auch parteipolitisch herrscht Einigkeit über den 3. Bauabschnitt. „Wir müssen die Bürger in Pumpe entlasten“, hat der Stolberger Landtagsabgeordnete Axel Wirtz (CDU) gefordert. Was sich die Menschen fragen: Wieso stockt die Planung?

Der Teufel steckt auch bei der Ortsumgehung im Detail. Drei Varianten waren beim Linienbestimmungsverfahren im Gespräch. Letztlich entschied man sich für einen Straßenverlauf, der zwei Mal die Inde kreuzt. Die beiden anderen Versionen waren deutlich kürzer und hätten Pumpe nicht ausreichend entlastet. In einem Fall hätte man sogar mehrere Häuser abreißen müssen, um die Straße zu bauen. Das ist bei der letztlich favorisierten Variante nicht der Fall, aber auf Stolberger Gebiet summieren sich die Probleme. Die Straße verläuft über zwei Gewerbegrundstücke am Stolberger Hauptbahnhof. Das Landesministerium teilt mit, dass man die „Beeinträchtigung ansässiger Betriebe“ nicht von vorneherein ausschließen könne. Nach Informationen unserer Zeitung ist eine Standortaufgabe eines Betriebes nicht mehr abzuwenden, sollte man die Straße wie geplant bauen. Entsprechend hoch sind die finanziellen Forderungen an das Land. Der Landesbetrieb Straßenbau hat mit den Unternehmen bereits Gespräche geführt – allerdings ohne Ergebnis. Seitdem ruht still der See.

Stolbergs Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ist überzeugt: „Die Straße ist keineswegs tot.“ Er habe ein großes Interesse daran, dass dieser Bypass gebaut werde. „Sie kann an eine eventuelle Ortsumgehung Münsterbusch anschließen und verbindet auch die Gewerbegebiete Steinfurt und Camp Astrid mit der Autobahn.“ Dass Stolberg einen eigenen Autobahnanschluss erhalte, glaubt der Verwaltungschef hingegen nicht mehr.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling bringt nun eine neue Variante, leicht abweichend von der bisher verfolgten, ins Spiel. So soll die Trasse in Stolberg früher abschwenken und unmittelbar am Gewerbegebiet Steinfurt auf die Eschweilerstraße treffen. „Dies hätte den Vorteil, dass wir die beiden Betriebsgelände nicht durchschneiden müssen“, argumentiert der Sozialdemokrat. Und damit müsse man auch keine hohen Abfindungen zahlen. Seinen Vorschlag lässt Kämmerling nun prüfen. Das Linienbestimmungsverfahren müsse, so hofft er, dann nicht mehr erneut aufgerollt werden. Ob und wann die Bagger anrollen, ist ungewiss.

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 30.10.2012, Bericht von Patrick Nowicki)