Stolberg_1 Auf meine Initiave hin hat Landtagsvizepräsident Dr. Gerhard Papke am vergangenen Donnerstag, 20.03.2014 zu einem Schulbesuch das Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg besucht.

Die Stolberer Nachrichten / Stolberger Zeitung berichtete darüber am 22.03.2014 wie folgt.

—–

Beim Besuch von Landtags-Vizepräsident Gerhard Papke im Ritzefeld-Gymnasium entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. Oberstufenschüler sprechen viele Themen an – von der Inklusion bis zu Uli Hoeneß.

Plenarsitzungen leiten, Abstimmungen durchführen, Ordnungsrufe erteilen und dabei trotz Parteizugehörigkeit stets eine neutrale politische Haltung wahren: Diese Aufgaben und Eigenschaften sind für Landtagspräsidenten und ihre Stellvertreter Teil des parlamentarischen Alltags.

Landtags-Vizepräsident Dr. Gerhard Papke kam jetzt seiner repräsentativen Funktion, die das Amt ebenfalls mit sich bringt, nach und tauschte das Düsseldorfer Plenum gegen die Aula des Ritzefeld-Gymnasiums. Anstatt dem politischen Schlagabtausch zwischen Landesregierung und Opposition zu folgen und den Bedürfnissen von insgesamt fünf Fraktionen mit 236 Abgeordneten gerecht zu werden, stellte Papke sich der Diskussion mit den Oberstufenschülern der sozialwissenschaftlichen Kurse. Und die waren weder unvorbereitet noch unkritisch in die Doppelschulstunde mit dem Landespolitiker gekommen.

Deutlich wurde dies besonders an jenem Thema, welches die Schülerinnen und Schüler unmittelbar betrifft: Der große Länderkernkompetenz Bildung. „Warum wird an G8 festgehalten, obwohl die meisten Menschen in NRW dagegen sind?“, fragte eine Schülerin den Vizepräsidenten, der kurzfristig für die erkrankte Landtagspräsidentin Carina Gödecke eingesprungen war. Der FDP-Politiker entgegnete, dass der Elternrat in NRW die Entscheidung der Schulzeitverkürzung ausdrücklich begrüßt habe und den Schulen sogar die Möglichkeit eingeräumt worden sei, zum alten System zurückzukehren – was von 630 Bildungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen jedoch weniger als 20 getan hätten. Doch die engagierten Ritze-Schüler ließen nicht locker: „Leute machen mit 17 Jahren ihr Abitur und sollen sich dann an einer Uni bewerben. Aber letztlich müssen ihre Eltern doch noch alles unterschreiben. So können die Eltern dann auch entscheiden, ob ihre Kinder überhaupt studieren sollen oder nicht“, hakte eine Schülerin kritisch nach. Papke hingegen zeigte sich davon überzeugt, dass mit genügend Überzeugungskraft gegenüber den eigenen Eltern schon eine Lösung gefunden werden könne, und hob die hohe Selbstständigkeit der jungen Erwachsenen hervor, die in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen sei.

Mit der Inklusion kam eine weitere bildungspolitische Weichenstellung der Zukunft zur Sprache. Hier äußerten die Ritze-Schüler Bedenken, ob Mitschüler mit einem Handicap zukünftig vielleicht nicht mehr in der Art gefördert werden könnten, wie es etwa an den Förderschulen der Fall sei. „Wir müssen alle Schulen in die Lage versetzen, die Inklusion auch zu stemmen“, gab Papke den Schülern Recht. Gleichzeitig müsse ein ausreichendes Netz an Förderschul-Angeboten gewahrt bleiben. „Trotzdem ist es wichtig, dass nichtbehinderte und behinderte Schülerinnen und Schüler, immer wenn es möglich ist, auch gemeinsam lernen“, warb der Landtagsvizepräsident für die Inklusion.

Auch bundes- und außenpolitischen Themen brachten die „SoWi“-Schüler zur Sprache. So wurde über das Hoeneß-Urteil und damit verbundene Fragen der Steuerpolitik ebenso kontrovers diskutiert wie über die Spannungen auf Krim und den Ukraine-Konflikt.

Bei all diesen lebhaften Debatten kam ein Thema fast ein wenig zu kurz, nämlich die Arbeit des Landtagspräsidenten selbst. Für Papke jedoch kein Problem. „Ich möchte Sie bitten sich zu engagieren. Davon lebt unsere freiheitliche Bürgergesellschaft“, nutzte der Landespolitiker die Veranstaltung für einen eindringlichen Appell an die Schülerschaft. „Es ist wichtig, kritisch nachzufragen und die Distanz zur Politik zu überwinden. Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich sehe, dass Leute damit prahlen, nicht zur Wahl gegangen zu sein. Es ist nicht cool, nicht politisch interessiert zu sein. Schließlich geht es um ihr Leben und um ihr Land.“

(Quelle: Stolberger Nachrichten / Stolberger Zeitung vom 22.03.2014, Bericht von Lukas Franzen)

Bericht des Landtagspräsidiums auf lantag.nrw.de