Regionale Landwirte diskutierten am Sonntag im Imgenbroicher Bürgercasino mit Politikern über mögliche Zukunftsperspektiven. Das "European Milk Board" soll den Landwirten nun helfen, aus der Malaise herauszukommen.

Regionale Landwirte diskutierten am Sonntag im Imgenbroicher Bürgercasino mit Politikern über mögliche Zukunftsperspektiven. Das “European Milk Board” soll den Landwirten nun helfen, aus der Malaise herauszukommen.

Diskussion über Milchpreise in Imgenbroich. „Milk Board“ soll helfen.

Imgenbroich. Das Imgenbroicher Bürgercasino war am Sonntagmittag Schauplatz einer angeregten Diskussion zwischen regionalen Landwirten, Politikern, Vertretern des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) und Vertretern des European Milk Boards.

Abschaffung der Milchquote

„Es muss eine öffentliche Regulierung der Milchmenge geben“, darin waren sich alle einig. Wie dies allerdings umgesetzt werden soll, darüber gab es einige Diskussionspunkte. Klar ist, dass die aktuelle Lage der Landwirte so nicht länger tragbar ist. Die Milchquote, die 1984 eingeführt wurde, biete eine relative Stabilität der Preise, so Mark Tarabella, EU-Parlamentarier aus Belgien. 2015 wird diese Milchquote abgeschafft. Nun heißt es, den Landwirten neue Perspektiven zu bieten, um ein Aussterben der Landwirtschaft zu verhindern. „Das Grundproblem besteht darin, dass niemand sagen kann, wie hoch oder niedrig der Milchpreis im Sommer diesen Jahres sein wird.“ Den Bauern fehlt die Planungssicherheit.

Das „European Milk Board“ soll den Landwirten helfen. Nach kanadischem Vorbild soll es eine Tagesquote geben, die zu zehn Prozent überschritten- und zu 30 Prozent unterschritten werden darf. Das soll Produktionsstabilität garantieren und somit zu einem konstanten Preisniveau führen. In Kanada haben die Landwirte mit diesem Projekt großen Erfolg.

Von dem kanadischen Milchpreis von 48 Cent pro Liter können die deutschen Landwirte nur träumen.

Im Gegensatz zu Kanada ist bei den jungen Menschen in Deutschland der Beruf Landwirt eher ungefragt. Rund 70 Prozent der über 50-jährigen Landwirte finden keinen Nachfolger mehr.

Marc Tarabella fühlt sich der Landwirtschaft sehr verbunden, da seine Mutter einen landwirtschaftlichen Hintergrund hat. Der belgische EU-Parlamentarier stellt heraus, dass es auf europäischer Ebene einen ultraliberalen Ansatz gebe.

Martin Schulz, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Europäischen Parlament betont, dass er bereits im Oktober vergangenen Jahres den Vorschlag gemacht habe, eine 1-prozentige Erweiterung der Milchquote zu verhindern. „Meine Bemühungen fanden im Parlament allerdings keine Mehrheit“, bedauert der SPD-Mann sein Scheitern.

Er konnte den Landwirten allerdings auch ein wenig Mut machen: „In der EU-Kommission wurde eine Expertengruppe gegründet. Die Ergebnisse werden im Juni erwartet.“

Weiterhin kämpfen

Wichtig sei außerdem, dass die Landwirte weiterhin für ihr Recht kämpfen. „Es muss Druck von unten kommen“, animiert BDM-Vorsitzender und Vorsitzender des „European Milk Board“, Romuald Schaber, die Landwirte weiterzumachen.

Julia Frenzel von der MEG Milch Board betont, dass sowohl die Lebensmittelketten, als auch die Molkereien untereinander einen heftigen Konkurrenzkampf führten. Jeder wolle den Konkurrenten unterbieten. Die größtmögliche Menge zu möglichst geringen Kosten produzieren – das wollen die Molkereien. Somit entstehe ein Machtgefälle zu Lasten der Erzeuger, so Julia Frenzel weiter.

Mit dem „Milk Board“ soll die Situation der Landwirte verbessert werden. Zentrale Vermarktungsregel ist, einen Basispreis zu schaffen. „Jeder kann mitmachen“, wirbt Frenzel für das Projekt. An der Vermarktung selbst ändere sich nichts. Diese bliebe auch weiterhin Sache des Landwirtes. Somit könne allerdings ein gerechtes Einkommen auf dem Markt erzielt werden. Romuald Schaber unterstreicht die Handlungsnotwendigkeit: „Wir Bauern müssen gleichberechtigt mit den anderen Spielern auf dem Markt sein.“

Besonders traurig sei es, dass die Betriebe, die in den letzten Jahren investiert haben, jetzt ganz nah an der Klippe ständen.

Stefan Kämmerling, SPD-Landtagskandidat, kann die Wut und Verzweiflung der Landwirte gut verstehen. Er betonte, dass es nun einen Arbeitskreis landwirtschaftlicher Entwicklung auf Unterbezirksebene gebe, der aus regionalen Landwirten, EU-Parlamentariern, Bundestags- und Landtagsabgeordneten bestehe. „Wir wollen uns von den Landwirten beraten lassen, um eine gute Lösung zu finden.“

Bis die Landwirte wieder kostendeckend produzieren können, wird es wohl noch etwas dauern, denn der aktuelle Milchpreis von 25 Cent pro Liter ist von den 40 Cent, die die Landwirte zur kostendeckenden Produktion benötigen, noch weit entfernt. (nap)

„Ich habe einen Tag auf einem Bauernhof gearbeitet und muss sagen: Das ist ein echter Knochenjob.“ Stefan Kämmerling, SPD-Landtagskandidat

Artikel als PDF

Weitere Fotos der Veranstaltung finden Sie auf Flickr.