Ortstermin vor der Tunnelröhre: Die SPD-Fraktion des Städteregionstages schaute sich das Nadelöhr am Sticher Berg an.

Ortstermin vor der Tunnelröhre: Die SPD-Fraktion des Städteregionstages schaute sich das Nadelöhr am Sticher Berg an.

Ortstermin am Nadelöhr: Erst müssen Polizisten Scherben aufkehren, dann wird über die Planung diskutiert, die künftige Unfälle verhindern soll.

„Nein, den Unfall haben wir nicht extra bestellt!“ Als sich die SPD-Politiker der Städteregion am Verkehrs-Nadelöhr Sticher Berg zum Ortstermin versammelten, hatte es dort gerade gekracht. Polizisten fegten noch Scherben zusammen, ein Fahrrad lehnte an einem Laternenpfahl. Offenbar ein Auffahrunfall dort, wo der Radweg direkt vor dem engen Tunnel endet. Es war schon eine eindringliche Botschaft an die Kommunalpolitiker: Dieser Tunnel muss endlich aufgeweitet werden, und es ist an der Städteregion, den Eindruck zu vermeiden, sie würde das Projekt bremsen. Die Regionalpolitiker der SPD sprachen sich nach der Besichtigung prinzipiell für die Aufweitung aus.

Fünf bis sechs Millionen Euro

Stadt Eschweiler, die Bahn AG und die Städteregion als Nachfolgerin des Kreises Aachen müssen gemeinsame Sache machen bei dem Neubau des Tunnels unter der Bahnstrecke am Sticher Berg. Und sie müssen auch gemeinsam zahlen, jeweils ein Drittel der Kosten, die auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt werden. Nachdem inzwischen auch die Bahn, in früheren Jahren eher Bremser bei dem Projekt, seit 2011 auf den Bau einer breiteren Unterführung drängt, gab es Anfang des Jahres Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt Eschweiler und Städteregion. Der Planungsausschuss der Städteregion hatte einstimmig beschlossen, ein Gutachten einzuholen, um zu prüfen, ob und wie mit einer Ampelanlage die Situation an dem engen Durchlass verbessert werden könnte. Die Eschweiler Kommunalpolitik reagierte empört – die Stadtväter hatten den Eindruck, die Städteregion spiele wegen der Kosten des Bauprojekts auf Zeit und wolle die Aufweitung bis auf den St.-Nimmerleins-Tag verschieben. Dieser Verdacht wiederum empörte Kreisdirektor Etschenberg.

Seit 30 Jahren angestrebt

Inzwischen haben sich die Emotionen wieder abgekühlt, und der Eschweiler Baudezernent Hermann Gödde wirbt hartnäckig und faktenreich für eine Einigung. Zum Ortstermin der SPD-Fraktion, zu dem der Fraktionsvorsitzende Martin Peters eingeladen hatte, erläuterten auch viele Eschweiler SPD-Politiker einschließlich des Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling und Bürgermeister Rudi Bertram die Dringlichkeit der Tunnelerweiterung. Dringlich wird der seit über 30 Jahren angestrebte Bau vor allem, weil die Bahn den Bahnübergang Jägerspfad schließen möchte. Dann würde der dort stadteinwärts fließende Verkehr ebenfalls durch den engen Tunnel müssen. Mit einer Ampelanlage, also einem wechselseitigen Einbahnverkehr, sei das nicht zu schaffen, im Gegenteil, dann sei ein Verkehrschaos mit langen Rückstaus zu erwarten, wird im Eschweiler Rathaus argumentiert.

Auch bei den Erläuterungen, die Dezernent Gödde den Regionspolitikern gab, stand die Sicherheit der Bürger im Vordergrund. Der Tunnel hat bisher eine Durchfahrtsbreite von 7,63 Metern. Für Fußgänger ist kaum Platz, bei Kinderwagen wird es schon dramatisch eng: nur Zentimeter entfernt sausen in der düsteren Tunnelröhre die Autos vorbei. Und wenn sich Lastwagen begegnen, muss einer warten – zwei passen nicht hindurch.

Beim Neubau soll vor allem mehr Breite gewinnen werden. 17 Meter sind in dem Plan vorgesehen, der als Vorentwurf seit zwei Jahren im Eschweiler Rathaus hängt. Durch den Neubau wäre es auch möglich, eine Linksabbiegerspur in die Eisenbahnstraße anzulegen, damit auch stadteinwärts fahrende Pkw ohne Umwege durch die enge Invalidenstraße zum Hauptbahnhof gelangen. Auch hier steht wiederum die Sicherheit im Vordergrund. Autofahrer, die bisher verbotswidrig links abbiegen, gefährden Fußgänger und Radfahrer in der Einmündung.

Stefan Kämmerling berichtete von seinem Gesprächen als Landtagsabgeordneter mit der Deutschen Bahn. Er habe von dort die Zusage bekommen, die Bahn stehe bei diesem Projekt „Gewehr bei Fuß, nun ist die Städteregion am Zug.“ Deren SPD-Fraktionsmitglieder zeigten bei dem Anschauungsunterricht nachdenkliche Gesichter.

Martin Peters: „Eine Ampellösung wäre wahrscheinlich nicht optimal, weil das den Rückstau besonders in den Stoßzeiten noch verstärken würde.“ Die SPD-Fraktion betrachte das Anliegen der Stadt Eschweiler „sehr wohlwollend“. Jetzt komme es darauf an, das Verfahren zu beschleunigen. Von den drei Beteiligten sind zwei – die Stadt Eschweiler und die Deutsche Bahn – miteinander klar, nun müsse die Städteregion als dritter Beteiligter „sich klar positionieren und Farbe bekennen, was sie will“, so Peters.

Der Beratungsstand in der Städteregion: Das Gutachten zur Verkehrsregelung über eine Ampelanlage ist in Auftrag, aber „ein Prüfauftrag ist keine Entscheidung“, so der Fraktionsvorsitzende. Die SPD-Fraktion im Städteregionstag werde jedenfalls – Details einmal beiseite gelassen – „eine Lösung anstreben, die den dargestellten Inhalten von Herrn Gödde nahe kommt“.

(Quelle: Eschweiler Zeitung vom 12.04.2013, Bericht von Friedhelm Ebbecke-Bückendorf)