Förderverein will das historisch wertvolle Gemäuer für die Bürger öffnen. NRW-Stiftung kann finanziell unter die Arme greifen.

Sie ist etwa 700 Jahre alt – jetzt könnte der Weg für eine gute Zukunft geebnet sein: Gestern schaute sich der Präsident der NRW-Stiftung Naturschutz-, Heimat- und Kulturpflege, Harry Voigtsberger, an und in der Nothberger Burg um. Dort konnte sich der ehemalige Staatsminister davon überzeugen, dass die historische Ruine am Nothberger Ortsrand aus mehreren Gründen wertvoll ist. Voigtsberger stellte einen Zuschuss für die Arbeiten des Fördervereins in Aussicht. Der hätte sich mit der Unterstützung der Stiftung auf einen Schlag der schlimmsten Sorge entledigt: Woher kommt das Geld, die Burg in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten und sie vor allem auch für die Menschen begehbar zu machen? Das sind nämlich die vorrangigen Ziele der Ehrenamtler.

Schweres Erbe

Der jetzige Vorstand trat ein schweres Erbe an. Viele Jahre lang arbeitete der Förderverein eng mit der Fachhochschule Köln zusammen. So werkelten vor allem in den 90er Jahren immer wieder Studenten an der Burg, sicherten den Bau, erfassten die Daten und holten so manches wertvolle Relikt der Vergangenheit ans Tageslicht. Doch mit der Neuausrichtung des Architekturstudiums in Köln riss der Kontakt ab. Immer wieder kam der Wunsch auf, die Burg für die Menschen zugänglich zu machen. Dieses Unterfangen ist jedoch nicht so einfach, da sich immer wieder Steine von der Burg lösen können. „Der alte Vorstand hat einmal ausgerechnet, dass die Sicherung alleine etwa 140 000 Euro kosten würde“, berichtet Hans Illner. Eine Summe, die der Verein allerdings nicht stemmen kann, zumal er einen beträchtlichen Eigenanteil hätte übernehmen müssen.

Auch die Arbeiten, einen Fuß- und Radweg vom Indetal hinauf zur Nothberger Burg anzulegen, kamen ins Stocken. Wieder aus finanziellen Gründen. Das Arrangement mit der gemeinnützigen GmbH Low-Tec musste ebenfalls beendet werden. Die Beschäftigungsinitiative hatte unter anderem die erste Treppe angelegt, die einmal zu dem Fußweg an der Grünroute führen sollte. Als der Vorstand des Fördervereins geschlossen die Brocken hinwarf, schien das Ende der Pläne besiegelt. Der Initiative zahlreicher Ehrenamtler ist es zu verdanken, dass jetzt wieder frischer Wind durch das Burggemäuer weht.

Derzeit zählt der Förderverein über 80 Mitglieder. Sein Ziel ist es, nicht nur weitere jüngere Mitstreiter zu gewinnen, sondern auch die Nothberger wieder verstärkt für ihr Wahrzeichen zu begeistern. „Der Förderverein steckt voller Tatendrang. Das war im Jahr 2013 so nicht abzusehen“, sagt der Vorsitzende Hans Illner. Rückenwind erhält der Vorstand auch von Ekkehard Kandler aus Köln, der als Student schon im Jahr 1990 an der Burg die Ärmel hochkrempelte: „So etwas verbindet“, sagt er. Die Fachkenntnisse des Architekten wird der Verein benötigen, wenn die NRW-Stiftung wirklich finanziell einsteigt. Referatsleiterin Mona Wehling machte zwar deutlich, dass die Burg ein lohnenswertes Projekt darstelle, eine Förderung allerdings an Voraussetzungen geknüpft sei.

Diese will der Förderverein schnellstmöglich erfüllen. Er will Pläne und Messungen vorlegen sowie einen Kostenplan entwickeln – nach Möglichkeit in verschiedenen Abschnitten. Stiftungspräsident Voigtsberger machte den Ehrenamtlern Mut: „Den Grundsatz unserer Stiftung haben Sie bereits erfüllt: Hier wollen die Menschen etwas für ihre Heimat erreichen und selbst mithelfen.“ Der ehemalige Staatsminister war auf Einladung des Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling nach Nothberg gekommen.

Auch der Eigentümer der Burg, Karl-Heinz Kever, der mit dem Förderverein einen Vertrag geschlossen hat, machte nochmals deutlich, dass auch er ein Interesse daran hat, das Gebäude der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. „Dafür soll es auch per Fußweg erreichbar sein.“ Diese Zusage nahmen die anderen Vorstandsmitglieder des Fördervereins – Kever selbst ist Beisitzer – gerne entgegen.

Bis der erste Cent fließen wird, können allerdings noch einige Monate vergehen. „Das Gebäude ist über 700 Jahre alt, da wird es wohl noch etwas warten können“, meinte Voigtsberger.

Der Förderverein im Internet:

www.nothbergerburg.de

Erste Siedlungshinweise aus dem 9. Jahrhundert

Die Ursprünge der Nothberger Burg gehen wahrscheinlich bis ins 9. Jahrhundert zurück. Erstmalig urkundlich erwähnt wird die Burg 1334 als „Huys te Berghe“. Ritter Edmund von Engelsdorf ist der erste urkundlich bekannte Besitzer der Burg.

Da sich die Waffentechnik weiterentwickelte, wird aus der Burg ein Gebäude für repräsentative Zwecke. Zahlreiche Umbauten sind heute noch nachweisbar. Vermutlich war auch der Festungsbauer Alessandro Pasqualini beteiligt.

Im 19. Jahrhundert wird die Burg auch als Steinbruch genutzt. Im Jahr 1879 erwirbt die Familie Kever das Anwesen. Die Hochburg ist inzwischen eine Ruine.

1976 gründet sich der Förderverein.

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 25.03.2014, Bericht von Patrick Nowicki)