UB-Parteitag

UB-Parteitag

Bisheriger Parteichef gibt Vorsitz im Unterbezirk ab. Nachfolger aus Stolberg freut sich über 80 Prozent Ja-Stimmen.

Stolberg.
Eine bessere Wahlempfehlung hätte sich Martin Peters nicht wünschen können. Denn kurz bevor die knapp 100 Delegierten am Samstag beim Unterbezirksparteitag im Zinkhütter Hof in Stolberg einen neuen SPD-Parteichef kürten, meldete sich noch einmal Martin Schulz als scheidender Vorsitzender des Unterbezirks Kreis Aachen zu Wort. Und er machte den Genossen in wenigen Sätzen klar, warum er und der restliche Vorstand sich für Peters ausgesprochen haben. Der 27-Jährige sei „ein junger und kluger Kopf, ein guter Redner und leidenschaftlicher Kämpfer – fleißig, ehrgeizig, durchsetzungsstark und teamfähig“, skizzierte Schulz seinen designierten Nachfolger. Kurzum: „Martin Peters kann das.“

Und das glaubt auch die Partei – zumindest eine satte Mehrheit der Delegierten, die den Stolberger SPD-Chef mit 77 von 96 abgegebenen Stimmen (80,2 Prozent, bei 13 Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen) zum neuen UB-Vorsitzenden wählte. Ein Ergebnis, mit dem Peters zufrieden ist. „Wenn mir 80 Prozent der Delegierten zutrauen, dass ich die qualitativ hochwertige Arbeit von Martin Schulz fortsetzen kann, dann macht mich das sehr froh“, sagte der IG-Metaller nach seiner Wahl, die Schulz zuvor „einen der entscheidenden Momente in der Geschichte unseres Unterbezirks“ genannt hatte. Schließlich wechselt die SPD zumindest im hiesigen UB nicht allzu häufig ihre Parteichefs aus: Alleine Achim Großmann (1982 bis 1996) und Schulz (1996 bis 2010) blieben jeweils 14 Jahre an der Spitze.

Und so ging am Samstag auch eine Ära zu Ende. Dabei nutzte Schulz den Parteitag auch, um Bilanz zu ziehen, sich bei Freunden und Mitstreitern zu bedanken, sich für entstandene Verletzungen zu entschuldigen. Und er machte klar: „Das ist die zweite Zäsur in meinem politischen Leben.“ Die erste sei 1998 der Abschied vom Amt des Würselener Bürgermeisters gewesen, das er mit Leibe und Seele ausgeübt habe. Jetzt falle es ihm ebenso schwer, den UB-Vorsitz abzugeben. Doch diese Entscheidung sei mit Blick auf seine anderen Aufgaben als SPD-Bundespolitiker und Fraktionschef im Europaparlament richtig. Und er betonte: „Meine Heimat ist und bleibt dieser Unterbezirk. Alles, was ich geworden bin und vielleicht noch werde, verdanke ich dieser Partei.“ Als UB-Chef habe er stets versucht, den Sozialdemokraten „eine Stimme und eine politische Richtung zu geben“, sagte Schulz und stellte als einen großen Erfolg fest, dass der UB über Jahre hinweg „über viel Einfluss und eine gute Machtposition“ verfügt habe. Natürlich schmerze es, dass die SPD derzeit keinen Bundestagsabgeordneten stelle. Aber auf der anderen Seite sei nach der jüngsten Kommunalwahl eine Trendumkehr spürbar. „Wir sind wieder auf einem guten Weg“, sagte Schulz, der mit stehenden Ovationen gefeiert wurde und seinem Nachfolger versprach, dass er sich auf seine „unbedingte und 100-prozentige Loyalität und Solidarität verlassen“ könne.

Das dürfte Peters freuen, der vier Jahre lang einer von Schulz’ Stellvertretern war und nun mit einer reichlich neuformierten Vorstandsriege an die Arbeit geht. Schließlich traten mit Josef Stiel (Fraktionschef im Städteregionstag) und Helen Weidenhaupt (Vize-Bürgermeisterin Eschweiler) zwei weitere erfahrene Parteifreunde nicht mehr an. Jetzt gelte es, weiter daran zu arbeiten, die SPD städteregional als Gesamtpartei erkennbar zu machen und weiter den Schulterschluss mit den Aachener Genossen zu suchen. Zudem will Peters den parteiinternen Polit-Diskurs intensivieren. Als Maßgabe formuliert er: „Ich will in den nächsten beiden Jahren den Grundstein dafür legen, dass die SPD im Jahr 2015 die vorherrschende politische Kraft in der Städteregion ist.“

(Quelle: AN/AZ vom 21.06.2010 – Bericht von Udo Kals)

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