Zunehmend bereitet die Belastung des Grundwassers durch Verunreinigungen Sorge. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang ein erhöhter Nitratwert auf. Nitrat ist durchaus geeignet, in zu hohen Mengen gesundheitsschädlich zu sein. Durch einen chemischen Verarbeitungsprozess im menschlichen Körper wird Nitrat zu Nitrit umgewandelt, was toxisch ist und den Transport von Sauerstoff einschränken kann.

Dass die Belastung des Grundwassers durch Nitrat nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, sah die Europäische Kommission ähnlich, die wegen der anhaltend zu hohen Nitratwerte im Grundwasser Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht hatte. Kürzlich entschied der Europäische Gerichtshof und verurteilte die Bundesrepublik Deutschland wegen ihres zu geringen Engagements bei der Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen durch Nitrat. Der Entscheidung folgt jetzt auch die Deutsche Umwelthilfe auf dem Fuße, die ebenfalls eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland auf den Weg gebracht hat, weil ihrer Auffassung nach immer noch an knapp einem Drittel der Messstellen eine teils massive Grenzwertüberschreitung vorläge.

Bereits im Januar dieses Jahres wurde auch der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling aktiv und wollte von der Landesregierung im Rahmen einer „Kleinen parlamentarischen Anfrage“ unter anderem wissen, wie die Landesregierung die Gefahren durch Nitrat im Grundwasser einschätze und welche Schritte sie erwäge, dem entgegenzuwirken.

Zu einer jüngst erfolgten Presseberichterstattung vom 14.07.2018 erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling:

„Der Presseberichterstattung zur Grundwasserbelastung vom 14.07.2018 war zu entnehmen, es gäbe in der Städteregion Aachen lediglich vier Messstellen, die den Grenzwert für Nitrat von 50 mg/L überschreiten, allerdings allesamt nicht im Südkreis liegen würden. Dieser Aussage werden angeblich Zahlen des NRW-Nitratberichts von 2014 zugrunde gelegt, der jedoch nur einen Zeitraum bis 2011 beleuchtet. So sehr ich mir wünschte, dass in meinem Wahlkreis keinerlei Grenzwertüberschreitung vorlägen, muss bei einer Betrachtung aktuellerer Zahlen bemerkt werden, dass es sehr wohl auch im Südkreis der Städteregion eine erhebliche Überschreitung des Nitrat-Grenzwerts gibt. Zum Glück beschränkt sich dies aktuell auf eine einzige Messstelle in Stolberg.“

Stefan Kämmerling bezieht sich damit auf die in Stolberg Mausbach liegende Grundwassermessstelle „Mariaschacht P5“, die bereits seit vielen Jahren massiv überhöhte Nitratwerte im Grundwasser misst. Zuletzt lag der Messwert im September 2017 bei 135,00 mg/L. Zur Erinnerung: Der von der EU vorgeschriebene Grenzwert für die Nitratbelastung im Grundwasser liegt bei gerade einmal 50 mg/L, während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Belastung bis maximal 20 mg/L empfiehlt.

Stefan Kämmerling ergänzt: „Ich habe ein klares Bekenntnis der Landesregierung zur Reduzierung der Nitratbelastung verlangt. Die Antwort fiel ernüchternd aus. Die Landesregierung bestätigte mir lediglich die bestehende Problematik der Grenzwertüberschreitung – auch in Stolberg Mausbach – und verwies zur Ursachenklärung nur auf eine damals in Arbeit befindliche Masterarbeit der RWTH Aachen. Die Landesregierung entzieht sich ihrer Verantwortung, selbst konsequent gegen überhöhte Nitratbelastungen in ganz NRW vorzugehen. Die Überschreitungen des Nitrat-Grenzwerts in Stolberg sind so auffällig, dass ich von der Landesregierung etwas mehr Interesse einfordere, als lediglich auf eine hydrogeologische Masterarbeit der RWTH Aachen zu verweisen.“

Die Überschreitung des Grenzwertes von Nitrat im Grundwasser, die offenkundig vereinzelt auch im Südkreis der Städteregion vorliegt, soll nach Aussage des SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling jedoch ausdrücklich nicht skandalisiert werden: „Durch Aufbereitungs- und Vermischungsprozesse kann auch die Trinkwasserversorgung in Stolberg durch den örtlichen Wasserversorger ohne Bedenken sichergestellt werden. Gleichwohl ist eine schnelle Lösung vonnöten.“

Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage