Die Wasserfreunde „Delphin“ Eschweiler kämpfen für bessere Trainingsmöglichkeiten in der Schwimmhalle Jahnstraße

Katharina Groh ist Synchronschwimmerin und war schon für die deutsche Jugendnationalmannschaft im Einsatz. Sie gehört zu den wenigen Spitzenathleten, die ein Breitensportverein wie die Wasserfreunde „Delphin“ Eschweiler immer wieder einmal hervorbringen. Für den besonders ästhetischen Sport bedarf es einer gehörigen Portion Talent, und zwar nicht nur beim Schwimmen. Auch tänzerisches Können ist gefragt. Aber um erfolgreich zu sein, müssen die Rahmenbedingungen, sprich Trainingsmöglichkeiten, stimmen. Und daran hapert es in der Schwimmhalle an der Jahnstraße. Davon konnte sich nun auch NRW-Sportministerin Christina Kampmann ein Bild machen, die auf Einladung des Landtagsabgeordnetem Stefan Kämmerling in die Inde-stadt gekommen war. „Unser zentrales Problem sind die Bereiche Gymnastik, Trockentraining und Krafttraining. Da nutzen wir mal hier und mal da eine Ecke in der Halle, aber das ist weder komfortabel noch angemessen“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Christoph Herzog. Und in der Tat: Trainieren macht in den beiden Räumen, um die es geht, nur wenig Spaß. Bei dem einen handelt es sich eher um einen Flur, der andere ist von außen einsehbar.

Den Keller umbauen

Der Verein habe sich damit zwar lange Zeit arrangiert, weil auch alles seinen Zweck erfülle, so Schwimmwart Sven Martinett. Aber zeitgemäß sei das alles nicht. „Wenn man eine Sportlerin wie Katharina Groh trainieren will, dann verpflichtet man sich auch dazu, angemessene Trainingsräume zur Verfügung zu stellen. Die haben wir hier einfach nicht“, fügt Herzog hinzu.

Um die Möglichkeiten in der Halle zu verbessern, hat der Verein schon vor längerer Zeit einen Plan entwickelt. Im Keller der Halle soll eine von allen in Eschweiler Wassersport treibenden Vereinen gemeinschaftlich genutzte, große Trainingsfläche entstehen. „Gymnastik, Ballett, Krafttraining, all das wäre hier möglich. Es sind aber auch Rückzugsmöglichkeiten für die einzelnen Vereine vorgesehen“, beschreibt Herzog das vereinbarte Konzept. Das Vereinsleben soll so an den Ort geholt werden, wo auch der Sport ausgeübt wird – in die Schwimmhalle. „Mannschaftssitzungen könnten wir hier machen, auch Mitglieder- und Abteilungsversammlungen wären möglich“, schwärmt Herzog, der zugleich auch Vorsitzender des Eschweiler Stadtsportverbands ist. Sogar ein Teil der Geschäftsstelle könne in die Halle geholt werden. Ein weiterer großer Vorteil: „Die Pläne sehen einen Durchbruch in der Halle vor, so dass man in Sportkleidung sowohl das Wasser- als auch das Trockentraining angehen kann.“

Aktuell sieht es im Keller der Halle allerdings noch ganz anders aus. Die Betten, die für die Unterbringung von Flüchtlingen nötig waren, liegen stapelweise. Bevor hier Kinder trainieren können, muss einiges getan werden: „Wir brauchen einen neuen Boden und natürlich müssen auch Brandschutzbestimmungen und Fluchtwege den Vorgaben entsprechen“, betont Sven Martinett, der als Bauingenieur an der Ausarbeitung der Pläne beteiligt war. Und dafür braucht es Geld. 150.000 bis 200.000 Euro müssten es schon sein, um den Keller auf Vordermann zu bringen und entsprechend auszustatten. „Der Verein hat Rücklagen gebildet und sich bereit erklärt, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Zudem haben wir einen Architekten und andere Handwerker in den eigenen Reihen und könnten dadurch Kosten sparen“, erläutert Martinett. Aber ohne Fördermittel gehe es nicht. Und da steckt der Verein in einem Dilemma. Denn beim Bund habe man sich schon erfolglos für ein Programm zur Förderung der Sportstätteninfrastruktur beworben. Allerdings sei die Fördersumme mit 200.000 Euro zu gering gewesen: „Da sind Millionenprojekte gefördert worden, da werden sie mit 200.000 Euro nicht wahrgenommen“, so Herzog.

Kredit scheidet aus

Nun müssen also andere Wege beschritten werden. Einen speziellen Kredit bei der NRW-Bank schlägt die Ministerin bei dem Ortstermin vor. Aber da hat Christoph Herzog Bedenken: „Ich tue mich schwer damit, den Mitgliedern einen Kredit vorzuschlagen, der unter realen Bedingungen eigentlich kaum zu tilgen ist. Wir haben relativ günstige Mitgliedsbeiträge, die wir auch nicht nach oben anpassen möchten. Wir wollen niemanden ausgrenzen, jeder soll es sich leisten können, in unserem Verein Sport zu treiben.“ Obwohl die Ministerin an diesem Tag im Schwimmbad an der Jahnstraße nicht unmittelbar das Scheckheft zückt und die Förderung zur Verfügung stellt, sei das Treffen doch sinnvoll gewesen, meint Herzog. „Ich glaube, dass es uns gelungen ist, das Projekt ausführlich vorzustellen und auch das Bewusstsein der Ministerin dafür zu schärfen. Es gibt ja immer wieder neue Förderkulissen und dann ist es gut, wenn die Pläne im Ministerium bekannt sind.“ Auch die NRW-Sportministerin verspricht, die Ansprechpartner in ihrer Behörde auf die Pläne der Wasserfreunde aufmerksam zu machen und Kontakte zu vermitteln. Zudem seien Regionalkonferenzen geplant, auf denen das Thema besprochen werden könnte. Für den Fall, dass der Austausch mit dem Ministerium aber zu keinem Ergebnis führt, will Herzog verstärkt auf die Eschweiler Verwaltung zugehen: „Die Stadt investiert ja in Schulen und Sportstätten, da gibt es natürlich bei den Vereinen auch ein gewisses Konkurrenzdenken um die knappen Mittel. Aber bei den nächsten Haushaltsberatungen muss darüber nachgedacht werden, ob das Geld nicht genau hier richtig angelegt wäre.“ Die Ideen für die Schwimmhalle Jahnstraße würden auf jeden Fall umgesetzt, gibt sich Herzog kämpferisch. Die zukünftigen Katharina Grohs der Wasserfreunde „Delphin“ Eschweiler werden es ganz sicher danken.

(Quelle: SuperSonntag Eschweiler vom 12.03.2017; Bericht von Benjamin Zilkens)