Wie man von Kunst leben kann : NRW-Kulturministerin Christina Kampmann diskutiert mit dem Schauspieler Heinrich Schafmeister

Wenn es um prekäre Beschäftigungsverhältnisse geht, denkt man an große Schlachtbetriebe oder Logistikzentren. Es gibt sie aber auch dort, wo sie sichtbarer kaum sein könnte: auf den Bühnen der Theater. Heinrich Schafmeister kennt die Situation vieler Künstler aus eigener Erfahrung und engagiert sich für eine bessere soziale Absicherung und faire Bezahlung. Beim Kulturforum der Sozialdemokratie in Stolberg diskutierte der Schauspieler, der Ende der 80er Jahre Mitglied im Ensemble am Theater Aachen war, darüber mit NRW-Kulturministerin Christina Kampmann (SPD). Diese räumte gleich zu Beginn ein, dass die schlechte Bezahlung im Kunstbetrieb viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalte – auch, aber nicht nur in den Parteien. „Wenn irgendwo ein Museum geschlossen wird, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung, aber über diese Beschäftigungsverhältnisse regt sich kaum jemand auf“, sagte Kampmann.

Für Bühnenkünstler und Solisten betrage der Mindestlohn derzeit 1765 Euro brutto bei einer theoretischen Wochenarbeitszeit von 48 Stunden, sagte Schafmeister. Damit könne man keine Familie ernähren; hinzu kämen die zahlreichen Standortwechsel. Noch dramatischer sei die Situation von Frauen, die besonders in der Schauspielbranche häufig noch schlechter bezahlt würden als ihre männlichen Kollegen. „Da haben wir gerade am Theater noch Verhältnisse wie im Mittelalter, auch was die Machtstrukturen angeht.“

Schafmeister, der selbst im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel sitzt, nahm aber auch seine Kollegen in die Pflicht, selbst aktiver zu werden. Für viele Künstler sei das Thema Gewerkschaft ein rotes Tuch; von den bundesweit etwa 15 000 Schauspielern sei nur ein Bruchteil gewerkschaftlich organisiert. „Dabei geht es uns nicht anders als anderen Menschen – auch wir haben Existenzängste.“

Auf Landesebene ist nun eine Plattform geplant, die finanzielle Fördermöglichkeiten für freischaffende Künstler sammeln soll. „Förderprogramme gibt es jetzt schon viele, aber sie sind noch viel zu unübersichtlich und schwer zu finden“, sagte Kampmann. Ebenso sei ein „Feuerwehrtopf“ in Arbeit, der schnelle und unbürokratische Unterstützung für Kulturprojekte ermöglichen soll. Die weitere Ausgestaltung, gab die Ministerin zu, hänge jedoch auch vom Ausgang der Landtagswahlen im Mai ab.

Die Diskussion, moderiert von dem Musiker und Komponisten Norbert Walter Peters, wurde musikalisch begleitet von Darja Großheide (Traversflöte) und Elisabeth Wand (Barock-Violoncello). Auch sie sind zwei freischaffende Künstlerinnen, die ihren Platz in einer Nische gefunden haben und sich über ein wenig mehr Wertschätzung durchaus freuen würden.

(Quelle: Aachener Nachrichten / Aachener Zeitung vom 13.03.2017; Bericht von Rolf Hohl)