Der Landesparteitag der NRW FDP im April 2019 befasste sich mit dem im ganzen Land heiß diskutierten Thema Straßenausbaubeiträge. Wenn eine kommunale Straße erneuert oder verbessert wird, beteiligt aktuell die jeweilige Gemeinde nach § 8 Kommunalabgabengesetz (KAG NRW) die Grundstückseigentümer an den dabei entstehenden Kosten. Grund für die Debatte der NRW FDP lieferte ein Antrag des FDP-Kreisverband Aachen Land, der vorsah, die Straßenausbaubeiträge gänzlich abzuschaffen und durch Landesmittel zu ersetzen.

Ich bedauere, dass die örtliche FDP sich mit dem Vorstoß innerhalb ihrer Partei zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge auf dem Landesparteitag nicht durchsetzen konnte. In einer Pressemitteilung vom 16. März dieses Jahres war noch zu lesen, dass auch die lokale FDP die Abschaffung der Beiträge fordert und damit genau das aufgreift, was schon die SPD-Landtagsfraktion in ihrem Gesetzentwurf zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge in den Landtag eingebracht hatte. Gute Ideen sollten überparteiliche Beachtung und Unterstützung finden, weshalb ich mich sehr über den Vorstoß der FDP Aachen-Land gefreut habe. Der jetzt vom Landesparteitag der FDP getroffene Beschluss geht leider in die entgegengesetzte Richtung. Er sieht lediglich einen Rechtsanspruch auf Ratenzahlung, frühzeitige Beteiligung der Anlieger und eine Härtefallregelung vor. Damit ist den Menschen, die vier- oder fünfstellige Beträge für den Ausbau ihrer Straße zahlen sollen, im Großteil nicht geholfen. Zusätzlich solle dem Beschluss der FDP zufolge geprüft werden, ob die Kommunen zukünftig selbst über die Erhebung von Ausbaubeiträgen entscheiden sollten. Das ist ein fataler Schritt: Hier soll der Ärger auf die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Räte abgegeben werden. Schon aus Respekt vor dem ehrenamtlichen Mandat verbietet sich dieser Gedanke. Außerdem würde ein Flickenteppich und Ungerechtigkeiten im ganzen Land entstehen, weil jede Kommune die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen anders handhaben würde. Den Kommunen die Entscheidung zu übertragen, ob sie Beiträge von ihren Bürgerinnen und Bürgern erheben oder nicht, ist der falscheste Vorschlag, der in dieser Debatte bisher aufgekommen ist. Ich biete der örtlichen FDP Aachen-Land an, gemeinsam weiter für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge einzustehen – einen guten Vorstoß sollten wir gemeinsam voranbringen.

Am 07. Juni wird im Düsseldorfer Landtag eine von der SPD-Landtagsfraktion initiierte Sachverständigenanhörung mit Experten zum Thema Straßenausbaubeiträge stattfinden. Auf Grundlage dieser Anhörung und der daraus gewonnenen Erkenntnisse werden sich die Parlamentarier anschließend erneut mit der Abschaffung der Beiträge befassen.

Ich hoffe, die schwarz-gelbe Regierung in NRW nimmt die vielen Stimmen der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land wahr, die sich stark machen und in beeindruckender Zahl für eine politische Richtungsentscheidung einsetzen.