Bürgermeister Rudi Bertram und SPD-Landtagskandidat Stefan Kämmerling (Bild: Patrick Nowicki, EN/EZ)

Bürgermeister Rudi Bertram und SPD-Landtagskandidat Stefan Kämmerling (Bild: Patrick Nowicki, EN/EZ)

Stefan Kämmerling möchte im Falle seiner Wahl in den Landtag Straßenbauprojekte forcieren. Chancengleichheit bei Bildung.

Eschweiler. Er steigt als Herausforderer in den Ring und begann deswegen früh mit der Vorbereitung: Seit dem 16. Oktober steht fest, dass die Sozialdemokraten Stefan Kämmerling ins Rennen um den Landtagssitz schicken. Und seitdem ist der Stadtverbandsvorsitzende aus Eschweiler unterwegs – bei der Polizei, Feuerwehr, im Kids-Club und Caritas-Behindertenwerk. Und jetzt auch beim Bürgermeister Rudi Bertram, um die Eckpfeiler seiner Politik abzustecken, sollte er denn am 9. Mai gewählt werden.

Die Themen sind die gleichen im Zimmer des Rathauses wie vor wenigen Wochen, als CDU-Landtagsabgeordneter Axel Wirtz dem Bürgermeister einen Besuch abstattete: die schlechte Finanzsituation der Stadt, das Bildungssystem. Und doch wird schnell deutlich, dass mit Stefan Kämmerling ein Parteifreund der SPD mit am Tisch sitzt. „Natürlich ist so viel Geld wie nie von Düsseldorf nach Eschweiler geflossen; aber alles für Projekte, die schon vorher von einer anderen Landesregierung auf den Weg gebracht wurden“, betont der Verwaltungschef. Im Falle der Landesstraße 11 habe die Verzögerung im Bau sogar zu höheren Kosten geführt – sagt Bertram.

Kämmerling schweigt an dieser Stelle: „Ich will keine vergleichende Werbung machen.“ Also kein direktes Wort zu den anderen Parteien und deren Kandidaten, sondern zu seinen Zielen für Eschweiler. So lautet zumindest sein Plan. „Als Landtagsabgeordneter werde ich in meinem Wahlkreis aktiv sein und mir von den hier Tätigen die politischen Aufträge abholen“, verspricht er, im Falle seiner Wahl vor Ort zu bleiben. Er sei schließlich mit dieser Region und Eschweiler verwachsen. Seit 1998 gehört er der SPD an und zog als Stadtverbandsvorsitzender für seine Partei die Fäden vor der Kommunalwahl im vergangenen September. Auch in Zukunft wolle er immer ein offenes Ohr für die Bürger haben.

Versprechen will er nicht geben, aber Ziele nennt er: Studiengebühren und Kindergartenbeiträge abschaffen, das Bildungssystem auf den Prüfstand stellen. Aber: „Ich will keine Schule schließen“, hebt er hervor. Er spricht von „Chancengleichheit bei der Bildung“, wenn er sich dafür starkmacht, dass eine Entscheidung über den weiteren Schulweg nach „nur vier Jahren Grundschule zu früh“ sei. Natürlich dürfe dies alles nicht zur Mehrbelastung für die ohnehin arg gebeutelten Kommunen führen.

Wie das finanziert werden soll? „Es ist eine Frage der Schwerpunkte. Wenn Großbankmanager mit dem Geld der Anleger zocken und das dem Staat 800 Milliarden Euro kostet, weil diese Banken systemrelevant sein sollen, dann ist doch die Frage erlaubt: Was ist mit den jungen Menschen, was ist mit der Bildung?“, so der 32-jährige Bankkaufmann. Bildung sei der wichtigste Rohstoff Deutschlands, den es zu fördern gelte.

Konkret für Eschweiler will er den Bau der Südspange und der Ortumgehung Pumpe forcieren. „Das dauert mir alles zu lange“, so der Sozialdemokrat. Für Hastenrath wünscht er sich eine „intelligente Lösung“ und die könne nicht so aussehen, dass die Menschen dort in Zukunft den Verkehr nicht nur „vor der Haustür, sondern auch im Garten haben“. Ebenfalls auf der Wunschliste: eine ganztägig besetzte Polizei-Wache in Eschweiler. Aber wie gesagt: „Versprechen kann ich nichts.“

Mit dem Verwaltungschef ist er natürlich in den meisten Dingen einer Meinung. „Aber flüchte nicht in Allgemeinplätze, denn auch mit Axel Wirtz saß ich vor fünf Jahren hier und war fast immer einer Meinung – allerdings geschehen ist seither nichts“, schlägt sich Rudi Bertram auf die Seite seines Parteigenossen.

Bis zum 9. Mai ist der politische Ring frei. Dann entscheidet sich, ob Stefan Kämmerling als Herausforderer in den Landtag zieht. Abgesichert über die Landesliste ist er nicht. Und zum Abschluss zieht er eben doch einen Vergleich: „Diese Stadt braucht einen Landtagsabgeordneten, der sich als Angestellter der Bürger versteht, der Klinken in Düsseldorf putzt. Das kann ich besser.“

(Quelle: Eschweiler Nachrichten/Zeitung – Patrick Nowicki)

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