"Parken in der Innenstadt", Veranstaltung SPD-Ortsverein Eschweiler-Mitte

“Parken in der Innenstadt”, Veranstaltung SPD-Ortsverein Eschweiler-Mitte

Eschweiler. So etwas wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Damals stöhnte alles über mangelnde Parkplätze in der City. Und malte düstere Szenarien an den abgasgeschwängerten Himmel über Eschweiler.

Den Einzelhändlern gehen die Kunden stiften, weil sie in Eschweiler keinen Stellplatz finden, die Anwohner dagegen ersticken im Qualm und Lärm der ungezählten Fahrzeuge, die auf der verzweifelten Suche nach dem letzten freien Stellplatz Runde um Runde drehen. Und so mancher erinnert sich noch an die Wahlkampfidee der UWG, die Inde zwischen Neu- und Bergrather Straße mit einem Blechdeckel zu versehen, auf dem dann zu hunderten Autos stehen können.

Heute ist das ganz anders. Kaum jemand bestreitet, dass es in der Innenstadt ausreichend Stellplätze gibt. Wenn auch nicht alle genau da sind, wo ein Suchender sie gerade braucht. Und statt ganzer Battaillone kampfbereiter Parkplatzforderer waren es nicht mal drei Dutzend interessierter Parteigenossen und Anwohner, die am Dienstagabend der Einladung des SPD-Ortsvereins Mitte zur Diskussion übers «Parken in der Innenstadt» in den Talbahnhof gefolgt waren. Auf dem Podium: Peter Kendziora (SPD), Planungsausschussvorsitzender des Eschweiler Stadtrates, Michael Servos, mobilitätspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in Aachen, Dieter Kamp, Leiter des Ordnungsamts, Rolf Tümmler, Betreiber des Stadtparkhauses Eschweiler, und Klaus-Dieter Bartholomy, Vorsitzender des Citymanagement-Vereins.

Bartholomy war es auch, der der Parkraumsituation in der Innenstadt auf Frage von Moderator Stefan Kämmerling glatt die Schulnote «2» ausstellte. Das hat nicht zuletzt mit den Angeboten des Stadtparkhauses an der Kaiserstraße zu tun, das laut Tümmler täglich zwischen 600 und 700 Parkvorgänge verzeichnet. «In Anbetracht der Gesamtumstände in Eschweiler sind wir zufrieden. Wir haben in Eschweiler keinerlei Parkproblem. Die Probleme liegen in der Steuerung der Nutzer», mahnte Tümmler ein längst überfälliges Parkleitsystem an. «Die Beschilderung in Eschweiler verdient eine glatte 5.» Dies sei mit ein Grund, weshalb in der seit der Umgestaltung etwas verengten Marienstraße heute ein «deutlich erhöhter Stressfaktor» spürbar sei. Seit Jahren habe er immer wieder Ideen und Vorschläge für ein Parkleitsystem an die Stadt herangetragen – passiert sei bis dato nichts.

Aus gutem Grund, wie Dieter Kamp betonte: Ein neues Parkleitsystem kostet Geld, das bislang nicht vorhanden war. «Wir wollen uns nicht dem Vorwurf aussetzen, Eschweiler mit Billiglösungen zu verunstalten.» Vor allem aber habe man die Umgestaltung der südlichen Innenstadt abwarten wollen, die jetzt mit der Neugestaltung der Rosenallee in ihre letzte Phase eintrete. «Erst wenn wir wissen, wieviele Stellplätze wo tatsächlich sind, macht es Sinn, entspechende Beschilderungen vorzunehmen.» Das soll nun im kommenden Jahr in Angriff genommen werden. Ebenfalls im kommenden Jahr, so Peter Kendziora, sollen externe Fachleute sich auch mit einem neuen Parkraumbewirtschaftungskonzept befassen. Das jetzige stammt ursprünglich aus dem Jahr 1994, wurde 2002 überarbeitet.

Soviel scheint sicher: Die von der FDP immer mal wieder geforderte «Brötchentaste» wird es auch dann nicht geben. Gerade erst hat der Planungausschuss einen erneuten Vorstoß der FDP abschlägig bechieden. Und auch in Aachen, so berichtete Michael Servos, ist die «Brötchentaste» – sprich: das Ziehen eines 15-Minuten-Gratistickets – kein Thema. Denn wer nur kurz in irgendeinen Laden springen will, der geht erst gar nicht zum Automaten. Und den kümmert es auch nicht, wenn er in der zweiten Reihe parkt.

Servos: «Das Thema lautet vielmehr: Muss ich überhaupt mit dem Auto Brötchen holen fahren? Das kann nicht das Ziel sein. Innenstadtläden können – was Parkplätze angeht – nicht mit Läden auf der Grünen Wiese und – was Preise betrifft – nicht mit dem Internet konkurrieren. Also muss ein Besuch in der Innenstadt ein Erlebnis an sich sein, das sich lohnt. Mit stressfreien Parken in einer attraktiven, möglichst autofreien Stadt. Sonst können wir die Cities gleich dicht machen!»

Für wenig hilfreich hält auch Rolf Tümmler die Brötchentaste: «Bei uns kann man sogar für längere Zeit kostenfrei parken», verweist er auf die vor fünf Jahren von seinem Parkhaus-Kompagnon Walter Müller eingeführte «Park-Mark», eine «Dankeschön»-Münze im Wert von 60 Cent, die Kunden in Einzelhandelsgeschäften der Innenstadt erhalten und die im Parkhaus wie normale Währung eingeworfen werden können.

Derzeit beteiligen sich 38 Einzelhandelsgeschäfte an der «Park-Mark»-Aktion – allerdings kein einziger Filialist. Unterstützung erhält Tümmler von Citymanagement-Chef Bartholomy: «Würde die Stadt diese Münzen auch in Parkscheinautomaten akzeptieren, wäre der Effekt noch weitaus größer. Weil Kunden die ,Park-Mark’ ja erst erhalten, nachdem sie den Parkscheinautomaten bereits gefütter haben. Das ?zwingt’ sie zum Wiederkommen.»

Dem von einem Anwohner vorgetragenen «Eupener Modell» einer «Brötchentaste» – eine spezielle Parkscheibe, die auf maximal zehn Minuten gedreht werden kann und Schummeln somit unmöglich macht – musste Dieter Kamp, von Haus aus Jurist, eine Abfuhr erteilen: Das deutsche Recht lasse nicht zu, dass jede Kommune sich ein eigenes Parksystem einfallen lasse.

Eine Abfuhr gab es auch für die Idee, die Parkgebühren in der Innenstadt ganz abzuschaffen, wie dies nach Aussage eines Anwohners Kommunen im Münsterland mit Erfolg praktizierten. Dies, so Kamp und Tümmler unisono, führe dazu, dass alle Stellplätze in der Innenstadt dauerbelegt seien, ein Austausch nicht stattfinde und potenzielle Kunden keine Parkplätze fänden – außer im (privaten) Parkhaus. Tümmler: «Eine solche Regelung wäre der Tod für die Innenstadt!» Dem sei auch mit einer Parkscheibenregelung nicht zu begegnen, unterstreicht Kamp.

(Quelle Text: Eschweiler Nachrichten/Zeitung )

(Rechte Foto bzw. Fotos: stefankaemmerling.de)