Eine besondere Auszeichnung für „Mister THW“

Franz Pastor ist seit 60 Jahren im Technischen Hilfswerk. Bei einer Feierstunde im Rathaus wird auch Arnold Willecke geehrt.

Der Ursprung alles Guten, das folgen sollte, liegt in einem Misserfolg! Am 16. Dezember 1956 wollen die damals noch wenigen Mitglieder der THW-Ortsgruppe Eschweiler, die gut drei Jahre zuvor ins Leben gerufen worden war, im Rahmen einer Übung die Krone einer hohen Pappel niederlegen. Das Vorhaben scheitert jedoch auf Grund der schlechten Witterung. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf: THW-Ausbilder Wilhelm Wynands spricht seinen ehemaligen Mitarbeiter, den Gärtnergesellen Franz Pastor, auf das Problem an. Kurz darauf existiert das Problem nicht mehr. Und Franz Pastor hat eine echte Berufung gefunden. Am 11. Februar 1957 tritt er dem Ortsverband Eschweiler bei. 22 068 Tage, beinahe ebenso viele Brückenbauten sowie unzählige Arbeits-, Übungs- und Einsatzstunden später wird dem „Mister THW“ eine große und vor allem verdiente Ehre zuteil. Im Beisein zahlreicher Weggefährten und Ehrengäste nimmt er am Freitagabend im Eschweiler Rathaus aus den Händen von Dr. Hans-Ingo Schliwienski, THW-Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen, eine Ehrenurkunde für „60 Jahre Dienst im Namen der Humanität“ entgegen.

Zuvor hatte Erwin Emmerich, der für die Öffentlichkeitsarbeit des THW-Ortsverbands Eschweiler verantwortlich zeichnet, das unmöglich Erscheinende möglich gemacht, indem er den Zuhörern 60 Jahre ehrenamtliches Engagement von Franz Pastor in einem 28-minütigen Vortrag samt 109 Bildern näherbrachte. „An vielen der mehr als 22 000 Tage hat sich Franz Pastor für das THW und somit die Allgemeinheit eingesetzt. Die Familie musste oftmals zurückstecken“, betonte Erwin Emmerich zu Beginn seiner Ausführungen. Ein Satz, dem Ehefrau Agnes Pastor wissend und kopfnickend zustimmte. Detailliert und nicht zuletzt humorvoll ließ Erwin Emmerich sechs Dekaden THW am geistigen Auge der Gäste der Feierstunde vorbeiziehen. So habe der damalige Ortsbeauftragte Hans Ebels bereits zu Beginn der Jahres 1959 anlässlich der Teilnahme Franz Pastors am Lehrgang für Schirrmeister und Gerätewarte schriftlich vermerkt, dass der THW-Neuling „zur Verwendung sehr geeignet und außerdem willig, fleißig, geweckt und aufnahmefähig“ sei und damit den Nagel auf den Kopf getroffen, lachte nicht nur der Vortragende herzhaft. Über zahlreiche Einsätze, Übungen und Ehrungen, unter anderem erhielt Franz Pastor, der dem Ortsverband Eschweiler von 1980 bis 1998 als Ortsbeauftragter vorstand, im Jahr 1997 das „Ehrenzeichen in Gold“, die höchste Auszeichnung, die innerhalb des THWs vergeben wird, näherte sich Erwin Emmerich „zwei weiteren THW-Kindern“ des Jubilars. Dieser war federführend beteiligt an der Gründung der Jugendgruppe im Jahr 1981, von der der Ortsverband bis heute profitiert. Im Jahr 2000 folgte gemeinsam mit einigen weiteren „Reservisten“ die Gründung des „THW-Freundeskreises“, in dem die kameradschaftliche Kontaktpflege groß geschrieben wird.

„Ich bin einmal mehr zu Gast in Eschweiler, um Dank zu sagen“, unterstrich Dr. Hans-Ingo Schliwienski, bevor er Franz Pastor auszeichnete. „Auch für seinen Weitblick bei der Gründung der Jugendgruppe vor inzwischen 36 Jahren, ohne die der THW in Eschweiler heute nicht dort stünde, wo er steht“, betonte der Landesbeauftragte, der zusätzlich noch eine Überraschung bereithielt. Denn auch der amtierende Ortsbeauftragte Arnold Willecke wurde am Freitagabend geehrt. Für seine hervorragenden Leistungen in den zurückliegenden 42 Jahren verlieh ihm Dr. Hans-Ingo Schliwienski mit dem „Ehrenzeichen in Silber“ die zweithöchste Auszeichnung des Technischen Hilfswerks.

Grußworte schlossen sich an: Der Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt lobte die auf Franz Pastor zurückgehende Jugendarbeit des indestädtischen Ortsverbands als „vorbildlich“ und verglich den Zusammenhalt innerhalb der Organisation mit dem einer Familie. „Und diese verlässt man nicht!“, nahm Helmut Brandt Bezug auf die Treue, die Franz Pastor, Arnold Willecke und zahlreiche weitere THW‘ler auszeichne.

„Er ist ein Vorbild!“

Bürgermeister Rudi Bertram nannte das Engagement des 84-Jährigen beispielhaft: „Franz Pastor hat das Ehrenamt in dieser Stadt geprägt und hochgehalten. Er ist ein Vorbild!“ Den Stolz der indestädtischen Bürger auf ihr Technisches Hilfswerk hob Stefan Kämmerling hervor. „Ihr brennt für eure Arbeit“, konstatierte der Landtagsabgeordnete, der bei Jubiläumsvorbereitungen vor einigen Jahren die Gelegenheit wahrnahm, sich ein konkretes Bild vom Wirken der Ehrenamtler zu machen. „Nicht auszudenken, wenn vor knapp 61 Jahren die Krone der besagten Pappel ohne die Hilfe von Franz Pastor zu Boden gegangen wäre. Rückblickend können Misserfolge zu Glücksfällen werden“, schloss Stefan Kämmerling den Kreis, bevor Vertreter des THW-Freundeskreises sowie im wahrsten Sinne des Wortes befreundeter Hilfsorganisationen das „Gesamtwerk“ Franz Pastors ausgiebig würdigten.

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 17.07.2017; Bericht von Andreas Röchter)

2017-09-13T13:23:15+00:00 Mittwoch, 13. September 2017|

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