Der Kampf um gutes Personal wird härter

Die Auftragsbücher bei Aurubis in Stolberg sind voll, es gibt viel zu tun. Auch die Suche nach neuen Mitarbeitern ist viel Arbeit.

400 Mitarbeiter. Ein Jahresumsatz von 250 Millionen Euro und einen internationalen Kundenstamm von 400 unterschiedlichen Firmen. Die Zahlen, die Jürgen Jestrabek, Geschäftsführer bei Aurubis in Stolberg, am Donnerstagnachmittag seinen Gästen präsentiert, sind beeindruckend. Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling (SPD) hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (ebenfalls SPD) dem Betrieb an der Zweifaller Straße einen Besuch abgestattet. Der Hanseat kennt Aurubis gut – denn in Hamburg hat das Unternehmen seinen Stammsitz. Bei einem gemeinsamen Rundgang, an dem auch die Presse teilnehmen durfte, hat sich Scholz aber auch den Stolberger Standort einmal genauer ansehen wollen. Auch, um sich über das Thema Ausbildung zu informieren.

„Wir haben 40 Auszubildende, das ist eine Quote von zehn Prozent“, erklärte Jestrabek. Von diesen Auszubilden würden auch stets mehr als 90 Prozent übernommen. Sieben verschiedene Ausbildungsberufe bietet das Unternehmen in Stolberg an. „Wen wir ausbilden, der bleibt auch in der Regel hier“, ergänzt Robert Spicker, Personalleiter bei Aurubis. Um den Personalbedarf zu decken, reiche die hohe Ausbildungsquote jedoch nicht aus. „Wir stellen immer wieder noch zusätzliches Personal ein“, sagt Spicker.

Kupferwerkstoffe aus Stolberg

Auf dem rund 45 200 Quadratmeter großen Firmengelände werden vor allem Bänder und Drähte aus Kupferwerkstoffen hergestellt. Bei den sogenannten „high performance alloys“ komme es vor allem darauf an, die Leitfähigkeit des Kupfers zu erhalten und gleichzeitig die Festigkeit zu erhöhen.

„Mehr als 50 Prozent unserer Produkte kommen im Automotive-Bereich zum Einsatz“, erklärt Jürgen Jestrabek, weitere wichtige Einsatzbereiche seien Elektronik und die Elektroindustrie. Die Auftragslage – gerade für die Kupferbänder – sei sehr gut. Das Unternehmen sei stets daran interessiert, die Anlagen zu verbessern, damit effizienter gearbeitet und mehr produziert werden könne.

„Gute Auszubildende zu finden, wird immer schwieriger“, sagt Karl-Heinz Hamacher, Vorsitzender des Aurubis-Betriebsrats. Das gelte besonders für die gewerblich-technischen Berufe. „Wir haben aber mittlerweile in Stolberg und der Umgebung einen sehr guten Ruf als Ausbildungsbetrieb“, erklärt Robert Spicker. Immerhin: Die Betriebszugehörigkeit liege im Schnitt bei 21 Jahren. „Wer bei uns einmal anfängt, der bleibt auch.“ Das sei ein Vorteil für Aurubis. Auch durch Projekte wie einen Gesundheitstag oder einen eigenen Physiotherapeuten, der den Mitarbeitern regelmäßig zur Verfügung stehe, bemühe man sich, die körperlich anstrengende Arbeit für die Belegschaft angenehmer zu gestalten.

„Was tun Sie denn dafür, um junge Menschen in Ausbildung zu bringen, die vielleicht nicht so gut in der Schule waren?“, erkundigte sich Olaf Scholz. Es gebe im Betrieb Hausaufgabenhilfe für die Berufsschule, erklärt Betriebsratsvorsitzender Hamacher, außerdem zusätzlichen Werksunterricht. „Wir stecken die neuen Auszubildenden auch in Lerngruppen, in denen sie sich gegenseitig unterstützen können, wenn einer mal Schwierigkeiten hat.“

Wie wichtig es ist, dass auch der Nachwuchs ausreichend qualifiziert ist, betonte Jürgen Jestrabek: „Die Prozesse sind hochkomplex. Wir können nicht einfach jeden an unsere Maschinen stellen“, so der Geschäftsführer, der für Stolberg einen ganz entscheidenden Standortvorteil in der Nähe zur RWTH in Aachen sieht. „Mit der technischen Hochschule arbeiten wir eng zusammen“, sagt er. Erst kürzlich habe ein Ingenieur, der an der Hochschule sein Studium absolviert hat, bei Aurubis seine Arbeit aufgenommen.

Ein Teil der Aurubis-Belegschaft kommt auch aus dem benachbarten Ausland bis nach Stolberg. „Das habe ich mittlerweile bei einigen Stolberger Unternehmen gehört“, kommentierte Stefan Kämmerling – den auch aus diesem Grund die geplante Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen stört. „Für die Unternehmen in der Region ist das – auch aus Gründen der Mitarbeiterakquise – ein Problem.“

Kein Einzelfall

Mit der zunehmend schwierigen Suche nach guten Mitarbeitern ist Aurubis in Stolberg kein Einzelfall, wie Nathalie Malekzadeh von der Wirtschaftsförderung der Stadt Stolberg auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. „Viele Unternehmen berichten uns, dass sie 50 Bewerber zum Einstellungstest einladen, dass dann nur 25 erscheinen und lediglich fünf den Test bestehen“, erzählt sie. Die Qualifikation der Bewerber gehe zurück, „auch wenn es weiterhin durchaus gut ausgebildete junge Leute gibt“. Für die Stolberger Unternehmen bedeute das eine große Umstellung, denn vieles habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. „Nicht nur die Schulen, selbst die Ausbildungsbetriebe sind mittlerweile in die Erziehung junger Menschen eingebunden“, weiß Malekzadeh, und betont deswegen, wie wichtig eine Zusammenarbeit der Schulen mit den Unternehmen sei.

Aurubis hat solch eine Partnerschule in der Realschule Mausbach gefunden. „Die Schule ist auf uns zugekommen, und die Kooperation ist für alle Beteiligten sehr gut“, berichtet Personalleiter Robert Spicker. Schüler kämen für Praktika ins Unternehmen – und zum Teil auch anschließend für eine Berufsausbildung.

(Quelle: Stolberger Nachrichten / Stolberger Zeitung vom 06.05.2017; Bericht von Sarah-Lena Gombert)

2017-05-07T18:57:10+00:00 Sonntag, 7. Mai 2017|